Zweisprachige Anthologie
in Deutschland lebender polnischer Autoren
"Napisane w Niemczech/Geschrieben in Deutschland"




Herausgegeben von Piotr Piaszczyński und Krzysztof Maria Załuski.

"b1" Jestetten / IGNIS e.V. Köln 2000.

350 Seiten, gb. 9,2 €

ISBN 3-00-006516-4



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Von den Herausgebern

Wer immer den Beruf eines Schriftstellers ausübt, hat es nicht leicht. Ein besonders zweifelhaftes Vergnügen ist es aber bestimmt, ein polnischer Schriftsteller zu sein. Wir alle kennen das: Kulturkrise, sinkendes Ansehen des Künstlers, Mangel an Lesern ... und so weiter. Was für einen Sinn kann es also haben, die polnische Literatur in Deutschland zu pflegen? Und doch gibt es hier einen gewissen Sinn ... aber davon gleich.

Polnische Schriftsteller suchten schon immer in Deutschland, für längere oder kürzere Zeit, Zuflucht. Man denke nur an Józef Ignacy Kraszewski, Stanisław Przybyszewski, Witold Gombrowicz, Józef Mackiewicz, Marek Hłasko, Tadeusz Nowakowski, Stanisław Dygat oder Witold Wirpsza, in deren Werken der Aufenthalt in Goethes Heimat mehr oder weniger deutliche Spuren hinterließ. Außerdem scheint es auch kein Zufall zu sein, dass ausgerechnet in Dresden eines der Meisterwerke der polnischen Literatur entstanden ist, nämlich der dritte Teil von Adam Mickiewicz's Versepos "Die Todtenfeier".

Zur Zeit gibt es hier eine stattliche Anzahl von Autorinnen und Autoren, die in polnischer Sprache schreiben: ein gutes Dutzend Prosaisten, etwa vierzig Lyriker, viele Übersetzer, Essayisten und Literaturkritiker. Neben prominenten Autoren, die bereits als Klassiker eingestuft werden, leben am Rhein auch Schriftsteller - und verfassen eine hervorragende, reiche und vielfältige Literatur -, die ihre ersten Schritte auf dem Gebiet der Literatur erst nach ihrer Emigration aus Polen setzten. Einigen von ihnen ist es bereits gelungen, ihre Existenz an beiden Ufern der Oder zu festigen, andere versuchen noch, die Sympathien der Leser und die Anerkennung der Kritiker zu gewinnen. Die Mehrheit der Autoren unserer Anthologie "Geschrieben in Deutschland" gehören der Generation der um 1960 Geborenen an. Nach Deutschland kamen sie hauptsächlich mit der Welle der Solidarność-Emigration, das heißt als sehr junge Menschen, die die letzten Jahre ihrer künstlerischen Sensibilisierung im Westen erlebten. Diese Tatsache prägte im Wesentlichen ihre Art der Wahrnehmung der Realität. Die hier vorgestellten Lyriker und Prosaautoren flüchten nicht nur in die Sehnsucht, in die Privatsphäre oder in das Vakuum, das charakteristisch ist für viele Schriftsteller in der Emigration, sondern sie pflegen auch, und das ist neu, eine scharfe, geradezu schmerzhafte Satire sowie eine ungewöhnlich ausdrucksvolle Distanz in der Beschreibung von polnischer und deutscher Gegenwart. Diese vollkommen andere, weder rein polnische noch rein deutsche Stilistik konnte nur im Aufeinanderprallen von ganz gegensätzlichen Traditionen, Sprachen und Erfahrungen entstehen. Auf dieser noch nie dagewesenen, multikulturellen Perspektive beruht das Außergewöhnliche der hier versammelten literarischen Texte.

Gegenstand dieser Anthologie sind, wie der Titel schon besagt, literarische Werke, die in Deutschland in polnischer Sprache geschrieben wurden. Der Band, den wir hiermit in Ihre Hände legen, enthält 55 Gedichte und 8 Prosatexte. Es handelt sich hierbei zweifelsohne um eine sehr subjektive Auswahl, die aber nach Ansicht der Herausgeber doch sehr repräsentativ das widerspiegelt, was zur Zeit in Deutschland in polnischer Sprache entsteht. Diese Gedichte und Prosatexte antworten auch in einem gewissen Sinne auf die eingangs etwas spöttisch gestellte Frage. Aber sie geben keineswegs eine eindeutige Antwort, haben wir es doch mit 17 ganz unterschiedlichen und ungewöhnlich individualistischen Autoren zu tun, die hier eine Antwort zu geben versuchen und gleichzeitig andere, viel wesentlichere Fragen stellen.

Uns Herausgebern schwebte die Idee vor, den Lesern möglichst unterschiedliche polnische Gegenwartsautoren vorzustellen, die in Deutschland leben und schreiben, mehr noch: sie nicht als folkloristisches Detail der "richtigen" deutschen Literatur vorzuführen, sondern als einen autonomen Teil von ihr, der nicht in deutscher Sprache entsteht.

Ob uns dieses Experiment gelungen ist? Das wünschen wir uns und unseren Lesern aus ganzem Herzen.


                                                            Piotr Piaszczyński und Krzysztof Maria Załuski

(aus dem Polnischen von Judith Arlt)