Die Frühjahrsausgabe der „Langen Nacht der polnischen Literatur“ konzentriert sich ganz auf die Lyrik. Bei „polnischer Lyrik“ denken alle zuerst an die beiden Krakauer Nobelpreisträger Wis³awa Szymborska und Czes³aw Mi³osz sowie an Zbigniew Herbert und Tadeusz Ró¿ewicz.

 

Mittlerweile jedoch sind neue Generationen nachgewachsen, neue Vertreter der „polnischen Schule der Poesie“ aufgetaucht. Das Programm in Köln stellt vier Jahrzehnte polnischer Lyrik vor.

 

 

Bohdan Zadura

Geboren 1945 in Pu³awy, Mitarbeiter der Literaturzeitschriften „Twórczo¶æ” und „Literatura na ¦wiecie”. Mit seinem Gedicht „Cisza” (Stille), das erst 1994 erschien,  schuf er eines der wichtigsten poetischen Werke über Polen im Kriegszustand. Für viele jüngere Kollegen wurde er zum herausragenden Vorbild.

 

Zusammen mit Piotr Sommer war Zadura wesentlich beteiligt am Erfolg amerikanischer Dichter in Polen und deren Einfluss auf eine ganze Generation polnischer Lyriker in den achtziger und neunziger Jahren.

 

Zadura hat über zehn Gedichtbände in Polen veröffentlicht. Seine Gedichte wurden von Doreen Daume für verschiedene Anthologien ins Deutsche übersetzt.

 

 

Andrzej Sosnowski

Geboren 1959, lebt in Warschau. Auf Polnisch erschienen 5 Gedichtbände ¯ycie na Korei [Das Leben in Korea] (1992), Sezon na Helu [Eine Saison auf Hel] (1994), Oceany [Ozeane] (1996), Cover (1997), Konwój. Opera [Konvoi. Oper] (1998) sowie der Band mit poetischer Prosa Nouvelles impressions d´Amerique (1994).

 

„Sosnowski hat eine originelle und verführerische poetische Ausdrucksweise geschaffen, in der die Möglichkeiten jeder lyrischen Sprache zu einem logischen Schluß geführt werden und... sogar noch zwei Schritte weiter. Hinzu kommt ein emotionaler Extremismus, der gefärbt oder gar verstärkt wird von einer ironischen Distanz des Subjekts zu sich selbst und zu den Ereignissen, die es darstellt, und zur Welt, in der sie stattfinden. Dies ist eine unheimliche Poesie, die für Verwirrung in den Diskussionen sorgt.“ (Tadeusz Pióro)

 

 

Marzanna Bogumi³a Kielar

Geboren 1963, lebt in Warschau. Auf Polnisch erschienen bisher 2 Gedichtbände Sacra Conversatione (1992) und Materia Prima (1999).

 

Kielar beschreibt die Natur sehr detailliert, sprachlich gesehen ähnlich wie die Objektivisten. Die lyrische oder metaphysische Situation scheint zweitrangig zu bleiben, sofern so etwas in diesen kompakten Gedichten, in denen allein eine Beschreibung der Natur als Aussage genügt, überhaupt vorkommt. Kielar verwendet dabei eine sehr eigene Synästesie: ihre Metaphern übertragen beispielsweise geologische Eigenschaften auf atmosphärische, diese wiederum auf botanische... Wenn in dieser Abhandlung das menschliche Dasein erscheint, entsteht ein außergewöhnlicher Effekt von vorsokratischem Charakter, wie man ihn in anderen Arten der polnischen philosophischen Poesie nicht antrifft.

 

 

Agnieszka Kuciak, Jahrgang 1970, geb. in Stettin, lebt in Posen. Sie hat bisher nur einen kleinen Band Gedichte in Polen veröffentlicht und ist bisher öffentlich noch kaum als Dichterin bekannt. Doch unter Kennern rief dieser kleine Gedichtband Begeisterung hervor: „Ohne Frage ist dies das herausragendste Debüt in der polnischen Lyrik der letzten Jahre”, schrieb ihr Dichterkollege Bronis³aw Maj. „Ein geistreiches lyrisches Konzept mit Ironie und Humor – wie in der Dichtung Wis³awa Szymborskas. Eine ungewöhnlich dichte Vision und Sinnkonzentration – wie bei Emily Dickinson. Eine kunstvolle Konstruktion der Gedichte – wie bei Brodskij oder Heaney. Eine phantastische Virtuosität im Sprachgebrauch – wie bei Stanis³aw Barañczak.”