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Meine sehr verehrten
Damen und Herren, liebe Ignis-Freunde, liebe Freunde der Kunst, hinter der Wand hier werden im Haus Renovierungs- und
Umbauarbeiten durchgeführt, und wir haben nur diesen Raum zur Verfügung, in
dem wir uns gerade befinden. Deshalb konnten
wir leider nicht, wie üblich,
fünf, oder sechs Künstler einladen ihre Arbeiten zu präsentieren (und das ist bestimmt ein Verlust). Wir haben aber trotzdem guten Grund zur Freude, denn es
ist mit Photographien von
Tamara Timmermann und den Bildern von Reiner Fuchs
wieder eine gute, interessante Ausstellung geworden. Es ist außerdem
erfreulich, dass die Künstler anwesend sind und alle unsere Fragen zu ihren Werken, uns persönlich beantworten
können. Und es freut und ehrt mich wirklich sehr, dass Sie alle
wieder den Weg hierher
gefunden haben und, dass ich Sie heute begrüßen darf. Ich grüße Sie herzlichst! Wie gesagt, die Künstler sind hier. Nutzen Sie bitte diese Gelegenheit aus, fragen Sie
ohne Gnade, ohne die Künstler schonen zu wollen. Aber bevor Sie die
Gelegenheit dazu bekommen, erlauben Sie mir ein Paar Bemerkungen zu den
Werken. Ich werde mich, wie immer, kurz fassen. Versprochen. Der altgriechische Philosoph Platon schätzte bildende
Künste, wie auch Theater und geschriebenes Wort nicht besonders hoch ein, sah sie als bloße Nachahmung der Realität, als Vorgaukelei. Die
Musik und den Tanz schätzte er
als höherwertig, als etwas, was den Charakter bildet, ohne die
Realität kopieren zu wollen. Die Kunst war ihm immer ein bisschen suspekt und
alle Künstler würde er aus
seinem Idealstaat am liebsten verbannen. Manchmal hätte vermutlich auch
er Ausnahmen machen müssen, und vielleicht wäre heute so ein Tag für ihn
gewesen. Die Bilder von Reiner Fuchs: Die Bilder haben keine Ambitionen die sichtbare Welt
darzustellen. Sie schaffen sich ihre eigenen, scheinbar von Außen unabhängigen Ordnungen. Sie bauen damit
Tugenden auf. Also nach Plato haben seine Bilder eher Eigenschaften der
Musik. Und ich sehe das auch so. Ich betrachte diese Arbeiten wie musikalische
Werke der Gegenwart. Das betrifft
nicht nur die Bilder, die hier jetzt zu sehen sind. Schauen Sie zum Beispiel
auf seine Internetseite. Auch
in Bildern, in denen er eindeutige Zitate, wie Kinderkritzeleien auf
dem Bürgersteig verwendet, gruppiert er die Bestandteile anders,
verfremdet die Aussage, schafft neue Rhythmen und Akkorde, baut andere
Gleichklänge. Wie Musik liefern uns diese Bilder keine direkten Assoziationen
mit der Wirklichkeit und sie sind auch so zu sagen musikalisch strukturiert.
Manchmal sind es Linien, die schnelle und komplizierte, aber präzise Rhythmen
bilden - manchmal nur kaum vermerkte, unsichere Pulseinheiten. Oder Flecken: Manchmal entschieden definierte Flächen,
manchmal nur amöbenartig vorgezeichnete Felder mit unklaren Umrissen. So wie konsonante und dissonante Akkorde. Man redet auch über
Farben in der Musik. Reiner Fuchs arbeitet (mit den Farben) in seinen Bildern
sehr sparsam mit Farben, man
könnte sagen vorsichtig. Das ist verständlich: alle verwendeten Mittel befinden sich in einem
labilen Gleichgewicht, sie
könnten jeder Zeit auseinanderdriften, sich verschieben, oder explodieren. Sie warten auf eine passende
Gelegenheit, um zu fliehen. Dieses Festhalten der potentiellen Bewegung ist
die Eigenschaft einer musikalischen Partitur. Man kann sich diese Bilder als
Partituren für dodekafonische, oder zwölftonalische Werke vorstellen. Ich bin mir sogar ganz sicher, dass sie irgendwann als Vorlage für ein
Musikstück dienen werden. Zumindest
einige. Da müsste der Platon die Gnade Zeigen das ist doch klar.
Der Maler bildet die Tugenden und belässt seinen Erkenntnistheorien weiter Gültigkeit sein. Was ist aber mit den Fotos von Tamara Timmermann?
Diese Bilder gaukeln uns doch die Realität vor. Eindeutig.
Man sieht, was sie darstellen. Zwar ein bisschen verschwommen, aber ohne jeden Zweifel. Oder
doch nicht? Die Fotos zeigen
nicht das, was sie zeigen. Wir sind Opfer einer Täuschung. Wir sind Opfer von
unseren Sehgewohnheiten und können nicht anders. Wir werden in die Irre geführt obwohl die die Photographien von der Realität handeln. Aber die Reale Welt,
die wir sehen, hat der alte Platon nur für den Schatten, den Abglanz der
ideellen Welt, eben die
Täuschung gehalten. Und das zeigt uns eindrucksvoll Tamara Timmermann mit
ihren Fotos. Dabei verwendet Sie die simpelste Methode, die man sich
vorstellen kann. Sie fotografiert Spiegelungen im Wasser, wo die Motive
naturgemäß kopfstehen. Das Weltbild wird hier
einmal um 180 Grad umgedreht. Wir neigen aber dazu, die gewöhnte Ordnung zu
schaffen. Wir brauchen ein Weltbild, wo die Fundamente unten, das Dach oben ist und noch höher das Blau des Himmels thront. Die
Fotografin tut uns den Gefallen, sie dreht die Bilder nochmals um 180 Grad. So haben wir wieder das wahre unwahre Bild der Realität. Aber ganz komfortabel ist
unsere Lage nicht. Etwas Unsicherheit verbleibt uns weiter. Wir haben
begründete Zweifel an unserer
Wahrnehmung. Und das ist ein Beweis für Platons berühmtes Höhlengleichnis, für seine Erkenntnistheorie. So hat
er eine Verbündete, die er bestimmt nicht verdammen würde. Genießen Sie die Bilder, sprechen sie mit den Künstlern, nutzen Sie die Gelegenheit. Die Arbeiten kann man übrigens auch kaufen. Das ist auch
eine Gelegenheit. Außer platonischer
Gnade verbindet noch etwas die Beiden Künstler: Beide sind Wahlkölner: Tamara Timmermann ist in Moskau geboren (und lebt in Köln),
Reiner Fuchs ist) in Heidelberg geboren und lebt in Köln. Wir präsentieren heute nicht nur diese zwei Wahlkölner. Weitere Wahlkölner finden sich dort an den
Instrumenten: Den musikalischen Rahmen gibt uns heute Schau-Pau Acoustic Blues und
alle Musiker sind auch Wahlkölner. Das Konzert hat ein offenes, nicht
festgesetztes Ende. Ich wünsch Ihnen
nun viel Spaß mit der Kunst und Musik ... ich danke Ihnen. Köln, 5 Mai 2006
Janusz Pac-Pomarnacki |
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