Einleitende Wörter  am 1.O9.2006.

 

 

                                                 Meine sehr verehrten Damen und Herren,

                                                  liebe Freunde des IGNIS und der Kunst,

 

     es ist schön Sie wieder bei einer Ausstellungseröffnung begrüßen zu dürfen. Heute werden viele Ausstellungen in der Stadt eröffnet und ich freue mich sehr, dass Sie den Weg hierher gefunden haben. Ich grüße sie herzlichst! Im Übrigen glaube ich, dass Sie sich richtig entschlossen haben. Es lohnt sich wirklich heute hier zu sein.  Es werden sehr gute, interessante Werke präsentiert und Sie haben die Gelegenheit die Künstler direkt zu ihren Arbeiten zu befragen. Die Künstler sind anwesend und haben keine Flucht- oder Versteckmöglichkeiten. Fragen Sie sie erbarmungslos, sie werden das schon aushalten.

      Noch leiden wahrscheinlich viele Leute  an vielen Orten in der Stadt unter den unendlich langen Eröffnungsreden. Ich werde  mich wie immer kurz fassen. Nur ein Paar Bemerkungen:

 

MAGNUS VON STETTEN: geboren in Karlsruhe, studierte in Karlsruhe und Braunschweig, seit 1995 Wahlkölner. Eigentlich ist er Maler und betreibt die abstrakte Malerei.

     Manchmal wagt er aber Abenteuerreisen in andere, dreidimensionale Gebiete der Kunst. Dabei greift er meistens in die Landschaft ein mit Gegenständen, die er dort platziert, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben, wie ein Paar hundert Gummihandschuhe, die  prall  aufgefüllt, in ein Viereck formiert, dicht unter Wasseroberfläche eines Teiches schweben. Oder er verändert etwas an fertigen Gegenständen, indem er,  zum Beispiel einem Stuhl eine pelzige, oder andere überraschende Verkleidung verpasst.

 

     Magnus von Stetten zeigt uns heute ein Ergebnis solcher Ausflüge. Im Garten vor dem Eingang lauert im Grün ein rotes Ungeheuer. Das Objekt trägt den Titel „Laokoongruppe“. Das war auch meine erste, scherzhafte Assoziation, als ich das Objekt auf einem Foto gesehen habe. Aber  an dieser Anspielung an eine der bedeutendsten Skulpturen der Antike ist etwas Wahres dran. Die angespannten Muskeln von Laokoon und seinen Söhnen in ihrem aussichtslosen Kampf gegen die Schlangen, die die Heroen kraftvoll zu umschlingen versuchen… diese Anspannung kann man auch  in diesem roten Objekt sehen.

     Nur wir haben keine Helden der Mythen parat. Wir können diese Spannungen eher in der Zusammensetzung von drei ein bisschen verblassten Gartenstühlen mit  ein Paar industrieroten Plastikrohren erkennen. 

     Und noch etwas zeichnet diese Darstellung aus. Die verwendeten Materialien  gehören zu den Gegenständen, die wir gerne übersehen, die normalerweise keine Gefühle  in uns wecken, aber in diesem Objekt sind  sie plötzlich anders als sonst.

 

 

MARIA PAC-POMARNACKI: geboren  in Jaroslaw im  südöstlichen  Polen, studierte in Wroclaw (Breslau), seit  1983 Wahlkölnerin…  Sie ist Malerin, Kostüm- und Bühnenbildnerin, Graphikerin und zeigt uns heute einige ihrer Bilder, die auf Papier, mit Papier,  aus Papier geschaffen werden. So arbeitet Sie seit den 90-er Jahren.

 

      Die unruhig strukturierte Fläche der Bilder bilden mehrere aufeinender geklebte Papierschichten, unterschiedlichen Ursprungs und Sorten. Es handelt sich dabei nicht um edle Papiersorten, die für künstlerische Zwecke hergestellt werden. Geschenk- und Packpapier, mit einer Schrift oder Zeichen bedruckte Papierfetzen, Fragmente von handgeschriebenen Notizen und Briefen… alles Außerachtgelassenes, Abfall…  Alles sorgfältig gesammelte Spuren unseres Alltags.

 

     Und die Themen? Die Motive sucht sie, wo wir am liebsten nichts wahrnehmen würden. Triviale Gegenstände, die unseren Alltag bestimmen und bezeichnen und von denen wir möglichst nichts sehen wollen, so banal, so bedeutungslos und uninteressant scheinen sie.  Die Papierarbeiten von Maria Pac-Pomarnacki reißen die Motive aus den gewohnten Zusammengängen heraus, aus dem nur peripherisch wahrnehmbaren Teil unserer Alltäglichkeit und rücken sie ins Zentrum einer undefinierbaren Umgebung, in die Mitte des Interesses. Aus Ihrer Perspektive bekommen diese einfälltigen Dinge Wichtigkeit, Masse, Bedeutung. Sie werden es wieder wert betrachtet zu werden. Sie werden mythisch  und mystisch. Nicht zufällig war  ihre letzte Ausstellung im Kunstforum St. Clemens vom Veranstalter „Alltagsmythen“ betitelt.

     Die scheinbar lässige Malweise, die die Gegenständlichkeit des Präsentierten nur andeutet, appelliert an unseres Wissen, unsere Erfahrung – und wir nehmen den Gegenstand als selbstverständlich realistisch wahr, obwohl weder Umrisse, noch Farbflecken mit der Form des dargestellten Objekts übereinstimmen.

 

     Die Bilder zeigen triviale Gegenstände, haben aber mit der Trivialkunst nichts zu tun. Eher finden, oder erfinden sie in der Trivialität des Alltags, vermittelt durch die Kunst, eine prägnante Tiefe, einen Mystizismus.

          Man kann die Bilder analysieren, feststellen, dass sie teilweise Materialmalerei, teilweise darstellender, teilweise abstrakter Kunst zugehören… Man kann noch viele weitere Bezeichnungen hinzufügen, aber ich kenne keine Methode um herauszufinden warum sie übernatürlich mystisch  sind.  Rein technisch oder kunsthistorisch geht das nicht.

 

 

     Die beiden Künstler machen keine Trivialkunst, aber beide, obwohl auf unterschiedliche Weise, ihr Interesse dem Banalen, dem Nichtbeachteten gewidmet haben und es sehr schön, dass wir die beiden gemeinsam zeigen können, denn sie sich ergänzen gegenseitig wunderbar.

 

     Ich wünsche Ihnen einen angenehmen und interessanten Abend mit der  Kunst und Musik. Ab  21:00 spielt hier das  Jan Bledowski Trio. Schauen Sie sich die ausgestellten Werke an,  sprechen Sie mit den Künstlern und dann genießen Sie die Musik so lange, wie sie wollen. Das Ende der Veranstaltung ist offen. Ich danke Ihnen.