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Ausstellungseröffnung
Einleitende Worte am 2.03.07.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, Liebe Freunde des IGNIS und der Kunst,
es ist endlich wieder so weit und ich freue mich sehr Sie hier bei der Eröffnung der Ausstellung begrüßen zu dürfen. Ich grüße Sie herzlichst. Es ist nicht nur schön, dass Sie gekommen sind, es ist auch richtig. Wir zeigen Ihnen eine sehr interessante, vielfältige Ausstellung. Lassen Sie mich einige Bemerkungen dazu machen. Ich werde mich, wie immer, kurz fassen.
Mit Freude haben wir den Beitritt Bulgariens zur Europäischen Union aufgenommen und wollten Ihnen gleich eine Kostprobe der Kunst des neuen EU-Mietgliedes präsentieren. Wir wollen immer die ersten sein und Ihnen stets etwas Außergewöhnliches zum betrachten geben. Bei den Recherchen hat sich gezeigt, dass die Kunst in Bulgarien lange Zeit einen eigenen und uns völlig unbekannten Weg gegangen ist, in die Gebiete hinein, wo unsere heutige Kriterien und unsere Kunstverständnis meistens unbrauchbar sind. Wir wissen zu wenig darüber um Ihnen etwas Repräsentatives für diese Szene, Trends oder die Vorlieben bulgarischer Kunst anbieten zu können. Aber die bulgarischen Künstler leben auch nicht von der Welt isoliert, wie sich im Falle des Ventislav Zankov gezeigt hat, der unter anderem Video-Kunst betreibt. Er ist heute bei uns, und kann ihre eventuellen Fragen beantworten. Video-Künstler bilden eine weltweit vernetzte Gruppe und sprechen eine weitgehend einheitliche Sprache, trotzt aller Diversität in der Bewegung. Die Präsentation findet im Flur statt und Sie werden sehen: diese Filmen könnten genauso gut in Köln, Paris, oder in New York und Buenos Aires entstanden sein. Sie sind nicht repräsentativ für Bulgarien, aber eine repräsentative Ausstellung würde unsere bescheidenen Expositionsmöglichkeiten um ein vielfaches übersteigen. Das müssen wir leider anderen überlassen.
Auf dem Weg hierher haben Sie wahrscheinlich schon einige Metallskulpturen wahrgenommen. Im Garten stehen fünf Objekte von der Frau Dagmar Dost-Nolden. Sie lässt sich entschuldigen und bedauert das sehr, dass sie heute nicht mit uns sein kann - sie ist in New York und kommt erst in einigen Tagen zurück. Wenn jemand Fragen an Sie hat, oder Kontakt mit ihr sucht, stehen wir zu Diensten. Erlauben Sie mir inzwischen, stellvertretend sozusagen, einige Wörter zu diesen Objekten im Garten zu sagen: Sie sind alle aus verrosteten Eisen und bieten sich dem Betrachter nicht gerade aufdringlich an, eher scheinen sie ruhig zu warten um entdeckt zu werden. Es sind keine klobigen Massen von Metall, viel eher Scherenschnitte, die noch verbogen und zerknittern wurden, was ihnen eine Leichtigkeit verleiht. Trotzt des Materials. Diese Linien aus Eisen ragen in den Raum, verschlingen, schließen ihn um. Diese Skulpturen sind sehr luftig– meistens nur Metalllinien - Bahnen im Raum. Dagmar Dost-Nolden vertritt die anthropologischnahe Auffassung: Das Universum sei voll von frei fließender Energie, die das ganze Universum formt. Erscheinungsformen der Energien können alles sein: Wind, Mensch, harte Materie, Gefühle oder etwas ganz abstraktes. Alle ihre Arbeiten, nicht nur Skulpturen, befassen sich mit diesem Thema. Sie versucht die Energien zu bündeln, zu ordnen und weiter zu befördern. In Skulpturen, in denen meistens die Energien nach oben, gen Himmel, geschickt werden zu scheinen, sieht man das am besten.
Und hier, Links von Ihnen, haben wir Arbeiten von Petra Ellert, die sich auf vielen Feldern der Kunst bewegt und uns ihre leuchtenden Objekte zeigt. Die Idee von Kästchen, Vitrinen, in welchen man eine geschlossene Welt schafft, eine Welt mit eigenen Gesetzen und ganz klaren, unüberwindbaren Grenzen wurzelt vor allem in der Tradition der Pop Art. Solche Schachteln, Kartons usw. wurden sehr gerne benutzt um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf eine Auswahl von Gegenständen zu fokussieren. Die Objekte von Petra Ellert haben auch ein dreidimensionales Innenleben. Sie hält aber nicht nur dreidimensionale Gegenstände, oder Formen im Kasten gefangen. Dort befindet sich auch das Licht. Die Lichtquelle ist im Kasten eingeschlossen, das Licht ist drin, aber es dringt aus dem Werk heraus nach draußen. Und lockt den Betrachter zu seiner Quelle. Ihre Arbeiten erzählen Geschichten. Sie haben immer eine einigermaßen literarische Vorlagen, oder nennen wir das Ausgangspunkte für ihre Impressionen. In den Vitrinen befinden sich fast immer Texte. Nicht komplett formulierte Aussagen – eher Fetzen, Fragmente von Gedichten oder Briefen. In verschiedenen Sprachen präsentierte Buchstaben existieren als visuelle, aber verschlüsselte Spuren stets intimen Botschaften. Das sind Inszenierungen wie man sie in den Fenstern von Fremden Leuten sehen könnte. Wir kennen das: Lichtreklame als Blickfänger, helle Geschäfte am Abend, wir schauen gerne hin: auf das Monitor, ins Fenster, in die Kiste… Das sind unsere tagtäglichen Erfahrungen. Und die Objekte von Petra Ellert ziehen den indiskreten Beobachter in uns magisch an. Alles ist hell, durchsichtig, alles ist klar… Und trotzdem steckt irgendein Geheimnis drin, das sich nicht durchleuchten lässt. Und das ist gut so.
Rechts von Ihnen zeigt seine Fotografien Bruno Wioska. Das einzige Thema seiner Bilder hier sind Wolken. Der Meteorologe würde hier bestimmt über Cumulus, oder Cirrus usw. sprechen - für uns ist das nicht wichtig. Wir wissen, dass es sich um diese märchenhafte Schönwetterwölkchen handelt, die immer neuen Gestallten einnehmen und unsere Fantasie in Bewegung setzen. Dieses himmlische Thema ist wirklich beliebt zurzeit – es entstehen Großformatige Gemälden, zahlreiche Bilderserien usw. Aber auch die Mode ist nicht der Grund, dass wir Ihnen diese Fotos zeigen. Irgendetwas ist anders. Dank einer kleinen Manipulation (vor allem am Kontrast) assoziieren wir diese Fotos nicht mehr mit Schäfchen, Drachen, Wattebüschen aus der Fabelwelt. Viel mehr sehen sie aus, als ob sie kosmische Ereignisse dokumentieren. Sie sind kalt, scharf und elegant, wie Bilder eines extraterrestriches Teleskops, in denen auch Aufnahmen von Explosionen und riesigen Flamenfontennen majestätisch kühl wirken. Und trotzdem bleiben sie doch weiter unsere gemütlichen Wolken mit nur scheinbar gefährlichen Gestallten, domestizierte Wolken, die wir am liebsten liegend betrachten.
Sehen Sie sich bitte die Exponate an, wenn Sie Fragen an die Künstler haben, zögern Sie nicht, nutzen Sie die Gelegenheit. Im Übrigen sind die Werke auch käuflich zu erwerben. Wir nehmen keine Provisionen, das ist also auch eine Gelegenheit, die man nutzen kann. Um neun Uhr werden wir als Umrahmung der Eröffnung ein Konzert hören. Es spielen Wolfgang Fuhr und das Malingou-Streichquartett.
Genießen Sie die Musik, genießen Sie die Kunst. Das Ende der Veranstaltung ist wie immer Offen. Ich danke Ihnen.
Janusz Pac-Pomarnacki
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