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Ausstellungseröffnung Einleitende Worte am 7. September
2007
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Freunde des IGNIS und der Kunst, es passiert heute viel in der Stadt und
ich finde das sehr schön, dass Sie die richtige Wahl getroffen haben und, und
dass ich Sie hier und heute begrüßen darf. Ich grüße Sie herzlichst.
Natürlich freue ich mich auch darüber,
dass wir heute Ihnen wieder eine interessante Ausstellung präsentieren
können. Links von Ihnen sind Arbeiten von Ewa Kaczmarczyk-Schmitz zu sehen. Bei ihr verrät schon der
Familiendoppelname, dass sie eine aus Polen stammende Wahlkölnerin ist und
ihre drei prächtige Söhne, sowie ihre Arbeiten hier bezeugen, dass es für
ihre schöpferische Entwicklung eine gute Wahl gewesen ist. Sie zeigt uns ihre Linolschnitte. Das
ist eine interessante Technik, über die man auch sagen kann, es ist eine sie
der ältesten. Keine Angst, ich möchte nicht behaupten, die alten Chinesen
hätten Stücke aus ihren Linoleumböden herausgeschnitten, um aus diesen Kunstwerke
zu erstellen. Nein, ich weiß ganz genau, dass das Linoleum erst seit 1864
produziert wurde, aber die Technik ist die des Holzschnittes, nur bei einem
anderen Material verwendet und den Holzschnitt haben wirklich schon die alten
Chinesen perfektioniert. Die Eigenschaften des Materials erlauben
keine feinen Schattierungen, oder Farbübergänge. Es eignet sich eher für
großflächige Vorhaben mit eindeutigen Umrissen, harten Kanten und kräftiger
Linienführung. Deshalb waren sie vor
allem bei den Expressionisten so beliebt. Und deshalb assoziiert man
Linolschnitte am meisten mit kämpferischen Plakaten, mit Härte, mit den düsteren
Seiten des Lebens und seiner Vorstellung. Eben ein Aufschrei, kein Geflüster. Es gibt selbstverständlich auch andere,
zum Beispiel poetische, melancholische
Werke, aber normalerweise treffen wir auf die gerade beschriebenen
Assoziationen von Härte, Expression, Unerbittlichkeit. Hier haben wir mit einer untypischen,
oder einer seltenen Art der Gattung
zu tun. Man erwartet in allgemeinem etwas anderes, wenn man über Linolschnitt hört. Ewa Kaczmarczyk-Schmitz
arbeitet zwar mit großen, monochromen Flächen, mit klaren Umrissen und die
Technik beherrscht sie meisterhaft, aber ihre Arbeiten strahlen eine
Leichtigkeit, Verspieltheit und Heiterkeit aus. Es handelt sich um scherzhafte Erzählungen
über… Na,
worüber den eigentlich? Diese
Wesen, oder vielleicht Gegenstände… die sind undefinierbar, weil jede
Benennung gleich gut für sie seien kann. Oder sind das doch nur gegendstandlose
Linien und Flecken. Eins nur scheint sicher zu sein: Egal, was das ist, es
hat sein eigenes verspieltes Leben, es hat sein Recht auf Eigenständigkeit
und treibt sein ulkiges Unwesen an der Bühne, oder Spielwiese, die ihm das
Papier bietet. - 2 - Für diese Art des Linolschnittes würde
ich am liebsten eine Bezeichnung aus der Musik benutzen. Nämlich Scherzo. Also
meine Damen und Herren, hier sehen Sie fünf Scherzi von Ewa Kaczmarczyk-Schmitz. Rechts vom Ihnen sehen wir wieder große, monochrome Flächen. Diesmal
auf den Fotos von George Steffens. Der in Bad Honnef, also unweit von hier
geborene und weltweit vagabundierende
Künstler, kommt, wie ein Seemann aus alten Geschichten, immer
wieder zu seinem eigentlichen Heimathafen Köln zurück. Und in diesem Sinne
ist er uns in Köln treu geblieben, treu ab und zu, aber auch immer wieder. Und so haben wir ihn hier und wir haben
ein Problem. Das Problem mit
seinen Fotos. Er fotografiert etwas, das heißt er
fotografiert etwas um es uns zu zeigen
und er zeigt uns das nicht, schlimmer: er zeigt, dass er uns es nicht
zeigen will, das er es vor uns versteckt, indem er mit einem blassen, monochromen
Fleck das wesentliche verdeckt. Wozu das
ganze? Aus der Tagespresse kennen wir die Fotos
von Personen mit einem schwarzen Balken vor den Augen. Das soll verhindern,
dass diese Personen in ihrem Umfeld identifizierbar werden, ihre Anonymität
soll gewährt werden. Na ja… Für
Unbekannte ist das völlig überflüssig, weil man unbekannte nicht
identifizieren kann und bei Bekannten funktioniert das nicht, weil sie eben
Bekannte sind und Bekannte erkennt man
auch mit dem schwarzen Balken. Machen wir jetzt bitte einen
Selbstversuch, ein Experiment: Stellen
Sie sich bitte ein Paar Portreets von allgemein bekannten Leuten, sagen wir gleichgewichtshalber: Marx und Engels von einer Seite und die
Quinn und Prinz Charles von der anderen Seite. Haben Sie es vor Augen? Jetzt
stellen Sie sich diese Fotos mit dem schwarzen
Balken vor. Haben Sie wirklich die fotografierten Personen nicht wieder erkannt? Zugegeben. Es gibt noch weiter weg
wohnende Nachbarn im dem Stadtteil, die vielleicht einen mit dem schwarzen
Streifen schwerer erkennen, aber im Grunde profitieren davon vor allem die
Zeitungen. Diese Streifen wecken die Neugier der
Leser. Wo ein Balken ist, ist auch etwas verborgen. Es kann, wer weiß, bedrohlich oder nützlich sein. Auf jeden
Fall muss das Geheimnis gelüftet werden. Schließlich verdanken wir auch
dieser Neugier den Werdegang des Menschen in der Evolution. Und eine Präsentation dieses Mechanismus sehe ich in Fotos von
George Steffens. Er spielt damit mit uns. Manchmal geht er noch einen Schritt weiter:
er verdeckt das fotografierte mit
einem Fleck, den wir erkennen können. Wir identifizieren die Gestalt. Anstatt
eines neutralen Balken, zum Beispiel der umriss eines Hauses. Und hier
geschieht etwas Seltsames: Die Häuschenumrisse, pastellbunte, wie ein Sonntagvormittag
eines Kindes, bringen überraschend eine ganz andere Atmosphäre in die Fotos. - 3 - Sie
wirken plötzlich gruselich, bedrohlich. Sie
verdecken nicht nur das auf dem Foto aufgenommene, sie verheimlichen uns auch
ihre wahre Identität und verstecken ihr eigenes Innenleben. Wir versuchen
nach Hinweisen hinter dem sichtbaren zu suchen, aber wir haben keine Chance.
Es gibt keine Geheimnisse zu
entdecken, nur wir können und wollen
das nicht glauben. Und wir wollen auch weiter nicht daran glauben. Wenn man sich mit diesen Fotos länger
befasst und sie näher betrachtet, sind sie unheimlich, genauso gefährlich,
wie anziehend. Und auch schön. Schön
gefährlich und gefährlich schön. Für die beiden Künstler ist die große,
monochrome Fläche ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeiten und bei den Beiden
funktioniert die Fläche überzeugend, aber es ist schwer sich einen noch
größeren Unterschied in der Wirkung ihrer Flächen vorzustellen, als es bei Ewa
Kaczmarczyk-Schmitz und George Steffens der Fall
ist. Zum Glück haben wir sie beiden hier von Ort. Wenn Sie Fragen an die Künstler
haben, fragen Sie sie erbarmungslos, sie werden
alle auf ihre Kunst bezogene Fragen Ihnen beantworten, sie haben gar keine
andere Wahl. Und ich bin sicher: sie werden das gerne tun. Noch eine wichtige Information: Alle
ausgestellte Werke kann man käuflich erwerben. Wir nehmen keine Provisionen,
oder Gebühren und deshalb haben Sie hier eine besonders günstige Möglichkeit
ab sofort ein Kunstwerk zu besitzen. Nutzen Sie die Gelegenheit. Sprechen Sie mit den Künstlern, genießen
Sie die Kunst und die Musik. Als Umrahmung des Abends haben wir ein Konzert.
In Kürze spielt hier für Sie die Gruppe „The Blair Witch Project“. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Das
Ende der Veranstaltung ist, wie immer, offen.
Ich danke Ihnen. Janusz Pac-Pomarnacki |