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Ausstellungseröffnung
Einleitende Worte am 2. November 2007 Meine sehr verehrten Damen
und Herren, liebe Freunde des IGNIS
und der Kunst, es ist wieder so weit und es freut mich,
dass ich Sie hier bei der Eröffnung der Ausstellung begrüßen darf. Ich grüße
Sie herzlichst. Es passiert sehr viel heute in der Stadt, in vielen Galerien
und auf der Messe ist bestimmt viel Interessantes zu sehen, aber Sie haben
sich für das Richtige für den heutigen Abend entschieden, denn wir konnten
wieder für Sie eine interessante Ausstellung vorbereiten. Sie werden Arbeiten von drei
bemerkenswerten Künstlern betrachten können. Erlauben Sie mir darüber ein
Paar Wörter zu sagen, ich werde mich, wie immer kurz fassen. Das verspreche
ich. Die Messe Art.Fair 21, die gerade
Vorgestern in Köln eröffnet wurde, zeigt wieder Mal: In der Kunst von heute gibt es keine Mode,
es sind nur die Moden. Alles ist erlaubt: egal ob schön oder hässlich, fein
oder grob, abstrakt oder figurativ, penibel durchdacht oder total blödsinnig,
alles kann eigentlich gleich begehrt werden. Trotzdem kann ich sagen: die Künstler,
die wir Ihnen hier präsentieren, wären auf der Messe zu den edlen Ausnahmen
gehören, die nicht jede Mode nachlaufen müssen, sondern sich selbst treu
bleiben und nur ihre eigene Ausdrucksweise immer weiter entwickeln. Es ist noch etwas, was sie verbindet: alle drei, jeder auf seine
Weise, bemühen sich um das Estetische, sagen wir ruhig, um das Schöne in ihren Arbeiten und die sind weder
strikte abstrakt, noch Versuchen sie
sichtbare Seite der Wirklichkeit möglichst treu nachzuahmen. Sie
interpretieren die Welt mit ihren eigenen Welten. Auf dem Weg hierhin haben Sie schon im
Garten vor der Villa die großforma-tigen Skulpturen von dem Kölner Bildhauer
und Schmidt Tilman Schmitten gesehen. Ihn haben wir hier. Meine Damen und
Herren: Tilman Schmitten persönlich. Wir zeigen nur die Skulpturen, die für
draußen konzipiert sind und das ist nur ein Teil seines künstlerischen
Schaffens, aber sie zeigen typische Merkmale und Züge, die seine ganze Arbeit
charakterisieren. Stilistisch kann man diese Skulpturen in
dem breiten Strom von surrealisieren-den Tendenzen platzieren, die in der
letzen Zeit etwas in Vergessenheit zu geraten scheinen und seltener zu sehen sind. Sie zeigen meist Wesen aus
einer Fantasiewelt, die sich der Fragmente von unserer Wirklichkeit
bedient. Diese Zitate sind nicht
naturalistisch bearbeitet, sie versuchen nicht den unseren visuellen
Erfahrungen täuschend ähnlich auszusehen, wie das oft der Fall bei strengen
Surrealisten ist, sondern nehmen nur das Nötige um uns zu verstehen zu
geben, worum es geht. Meistens reicht wirklich wenig um etwas
anzudeuten und der Zuschauer macht
sich das ganze Bild selber. Wir brauchen nicht den ganzen Hirsch oder Elch
mit allen Einzelheiten um sich das Tier vor unserem inneren Auge
vorzustellen, wir benötigen nur, zum Beispiel, das Geweih um die Tiere sicher
unterscheiden zu können, obwohl die meisten von uns diese Tiere live nur kurz Mal im ZOO erlebt haben. Wir bewegen
uns zwischen Begriffen, zwischen
unseren Vorstellungen und das ist reine Kultursache. Es sind Zeichen, die
tief in unserem Bewusstsein eingraviert sind und damit jongliert Tilmann
Schmitten in
seinen Skulpturen. Er
gestaltet Metal am offenen Feuer und liebt Natur. Vor allem Die Tiere.
Auch solche, die bei vielen positives nur als bestenfalls „lecker“ abgewinnen
können. Deshalb hat er die Sepia (anders gemeiner Tintenfisch) für sein
Wappentier gewählt. So einer ist er. Hier im Saal, rechts von Ihnen sehen Sie
die Arbeiten von Doktor Karel Rechlik aus Brno in der Tschechischen Republik.
Er kann leider nicht mit uns diesen Abend verbringen, aber wir haben seinen
Kollegen und Freund Jiri Necas unter uns. Er hat selbst seine Arbeiten vor
einiger Zeit in IGNIS ausgestellt und ist in alle Geheimnisse der Arbeiten
von seinem Freund eingeweiht. Er kann alle Ihre Fragen über Doktor Karel
Rechlik beantworten. Ich betone seinen Doktortitel, weil er
Philosoph, Kunsthistoriker und Kunst-theoretiker ist. Er malt und zeichnet.
Wenn man aber die imposante Liste seiner Glasmalereien, die er schon
realisiert hat, sieht, muss man annehmen, dass die Glasmalerei das wichtigste Feld seiner Aktivitäten bildet.
Die Glasmalereien, die vor allem in religiösen Einrichtungen zu finden sind,
scheinen auch einen großen Einfluss auf andere Gebiete seines Schaffens zu
haben. Natürlich nicht stilistisch, auf seinen Arbeiten hier sind keine in
Umrissen geschlossene
Farbflächen zu sehen. Es gibt kein Gerüst von Linien, auf dem die Farbflecke,
wie Mosaiksteine eingegeben sind. Das nicht. Aber der kontemplative Charakter seiner
Bildern, oder Zeichnungen, wie er sie
nach tschechischem Verständnis der Sache nennt, ist stets spürbar,
trotz des großen Potentials der Bewegung, die in diesen Arbeiten lauert. Man
hat oft den Eindruck, das Motiv wartet
nur auf einen Moment unserer Unaufmerksamkeit um sich heimlich sofort in
reale Bewegung zu setzen und vielleicht sogar das Bild
spurlos zu verlassen. Die Bewegung ist in diesen Bildern nur mit Mühe
geschlossen gehalten. Bewundernswert
ist die Leichtigkeit und, man kann sagen, Endgültigkeit, mit der er die
Tuscheflecken aufs Papier wirft, aber
das angespannte, labile Gleichgewicht von Bestandsteilen macht vor allem die Arbeiten
so faszinierend und fesselnd. Es war natürlich kein Zufall, aber es war
auch nicht unsere Absicht in diesem Raum Arbeiten von zwei Menschen zu
zeigen, die sich intensiv mit Glasmalereien befassen. Es ist eine eher selten
gewordene Spezialität. Wir haben es
aber doch geschafft. Links von Ihnen Glasmalereien von Renata Pawlik-Kiebdoj. Meine
Damen und Herren, Renata Pawlik-Kiebdoj in IGNIS. Sie ist eine Glasspezialistin. Sie hat
an der Kunstakademie in Wroclaw Glas studiert. Ihre Professoren (vor allen
Professor Horbowy) sind wahre Legenden der Kunst des Glases in Polen. Sie
haben polnisches Glas wirklich weltbekannt gemacht. Es ist schwer diese Glasarbeiten zu
beschreiben. Als ich zum ersten Mal über die gehört habe, habe ich mich vor
dem belanglosen Fensterschmuck gefürchtet. Von solchen grausamen Nettigkeiten,
die ich niemanden zumuten würde. Das ist doch die erste Assoziation, wenn man
„durchsichtig“, „rahmenlos“, „figurativ“ hört und das alles noch dazu aus
Glas gemacht. Es hört sich nach etwas, was höchstens zwei Schritte vom
Gartenzwerg entfernt ist. Erst als ich die Fotos von den Arbeiten
gesehen habe, habe ich begriffen, dass alle die Beschreibungen nicht die
Bilder erzählt haben, die sie meinten. Sie haben zwar nicht gelogen, weil
„durchsichtig“, ja, „rahmenlos“, bestimmt und
zweifellos „figurativ“… aber das ist nicht wichtig. Für uns ist
normalerweise völlig uninteressant, ob ein Ölbild auf Holz oder auf einer
Leinwand gemalt wurde. Aber die Arbeiten von ihr sind so eigenartig, dass wir
aufgrund fehlenden Vergleichen irritiert
werden und vor allem über die seltsame Technik reden.
Dabei sind es normale Bilder, naturgemäß
zeichnerisch, aber normale, aussagekräftige Bilder, nur eben aus Glas, auf Glas, mit Glas. Die
betonte feminine Thematik, ein Bisschen Lyrik und Verführung, aber gleichzeitig nackte
Sachlichkeit des Körpers, Wehrlosigkeit mit Raubgier gepaart. Es steckt
vieles nicht Eindeutiges drin. Es handelt sich um eine unverbale
Stellungnahme in einer wichtigen Sache und man weiß nicht wie weit das Ganze
ernst, wie weit ironisch gemeint ist, mit allen ihren Widersprüchen. Aber es
lässt einen nicht kalt. Natürlich ohne der meisterhaften
Beherrschung der Werkstatt kann man nichts dergleichen machen. Renata
Pawlik-Kiebdoj kann das und sie nutzt gekonnt die für uns ungeahnte
Möglichkeiten des Glases, die kein anderes Material ihr bieten würde. Sie ist unter uns und wird Ihre Fragen
gerne beantworten. Sie spricht leider kein Deutsch, aber für Polnisch finden
sich bestimmt sofort viele Dolmetscher und man kann sich mit ihr auch auf
Englisch unterhalten. Auf die Fragen über Arbeiten von Karel
Rechlik ist heute Doktor Jiri Necas bereit zu antworten und über seine
Skulpturen steht vor Ihnen Tilman Schmitten gerade. Nutzen Sie die
Gelegenheit, fragen Sie unbarmherzig. Sie können noch eine andere Gelegenheit
nutzen: Alle ausgestellte Arbeiten kann man käuflich erwerben. Wir nehmen
keine Gebühren oder Provisionen und das kann bekanntlich auf die Preise
Einfluss haben. Zögern Sie nicht, greifen Sie zu. Genießen Sie die Kunst, reden Sie mit
den Künstlern und greifen Sie zu. Ab etwa 9:30 Uhr, als Umrahmung der heutigen Vernissage, spielt
hier die Gruppe „Easy Rider“ Blues aus
Polen. Genießen
Sie die Musik. Das Ende der Veranstaltung ist, wie immer offen. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend
und ich danke Ihnen.
Janusz Pac-Pomarnacki |
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