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Ausstellungseröffnung
Einleitende Worte am 7. März 2008 Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe
Freunde des IGNIS und der Kunst, es freut mich ungemein, dass Sie heute
wieder die richtige Wahl getroffen haben,
von dem reichlichen Angebot an Veranstaltungen in der Stadt, so dass ich Sie
begrüßen darf. Ich grüße Sie natürlich herzlichst. Sie haben wirklich richtig gewählt, denn
wir haben eine interessante Ausstellung
für Sie vorbereitet mit Arbeiten von drei Künstler, die schon Mal vor
einigen Jahren im IGNIS ausgestellt haben.
Natürlich waren sie nicht
zusammen in dieser Konstellation wie
heute ausgestellt, aber sie haben
etwas gemeinsam: alle drei haben damals eine große, positive Resonanz bei Ihnen
hervorgerufen. Selbstverständlich könnten wir Ihnen
andere, neuere Arbeiten von den Künstlern
nicht vorenthalten, das wäre doch unmenschlich, unverzeihlich. Und
deshalb ist diese Ausstellung im Grunde von Ihnen konzipiert worden und sie
ist gut geworden. Ich gratuliere Ihnen! Schon auf dem Weg hierher haben Sie
bestimmt einige architektonisch gut durchdachte Skulpturen im Garten vor dem Haus
wahrgenommen. Das sind Arbeiten
von Wlodek Stopa. Er ist
heute anwesend und sitzt hier. Meine
Damen und Herren: Wlodek Stopa
persönlich. Die Skulpturen gehören zu dem Zyklus
„Geschützte Objekte“ und knüpfen eindeutig
an das an, was er vor 6 Jahren im IGNIS präsentierte. Sein Lieblingsmaterial
Holz wird mit Metall- und Glasbestandteilen kombiniert. Holz aber
bleibt, wie ich meine, der Hauptakteur
dieses Abenteuers. Es wird geschützt, oder das, was in diesen
Holzkörper, oder im alten Eisen versteckt
ist, bekommt einen verstärkten Schutz, weil das Holz selbst auch schutz- bedürftig
und wert ist. Ist nicht nur die Verpackung, sondern wird zum Teil des
Wertvollen Verletzbaren und es hütet nur notdürftig und ungenügend das
Geheimnis seines Inhaltes. Glas- und Metallteile empfindet man an
diesen Skulpturen als etwas Kaltes und
Industrielles im Kontrast zu der vitalen Beschaffenheit des Holzes. Aber das
Innenleben der Skulpturen, das wir von
außen nur erahnen können,
hat das Organische mit dem Anorganischen, kalt mit warm, weich mit hart
durchwachsen lassen, zu einem Organismus
verschmelzen lassen. Nehmen
wir an, wir sehen die Hornplatten des Panzers einer Schildkröte. Dieser
Panzer ist Schutz und Verpackung des Tieres und doch auch das Tier
selbst. Wie bei diesen Skulpturen. Links von Ihnen Bilder von Nikolaus Grathwohl. Den haben wir hier. Meine
Damen und Herren: Nikolaus Grathwohl. Auch er ist sich selbst treu geblieben,
seine Prinzipien haben sich nicht geändert.
Er arbeitet nicht nach Plan, nach irgendwelchen Vorgaben, die seine Vorgehensweise
oder den Endeffekt bestimmen. Seine Bilder entstehen nach wie vor in
einem Prozess des Suchens, sie ändern
sich ständig um ein optimales Zusammenwirken aller Komponenten zu erreichen.
Erst dann bekommen sie das, was sie pulsieren lässt. Die fast parallele
Linienführung ergibt einen Rhythmus, einen Takt. Das Bild vibriert. Diese
Bilder sind für mich wie große Musikstücke, gespielt, sagen wir, auf einer
Orgel, oder noch besser von einem symphonischen Orchester: Viele Instrumente,
mit ihren verschiedenen Klangfarben
spielen einen komplizierten Akkord,
eine vibrierende Konstruktion, einen Gesamtgrundton. (Wir
sprechen doch über Töne in der Malerei und Färbung in der Musik.) Und zu
diesem Hintergrund kommen noch hier
und da andere Elemente dazu, kleine
Motive, Cantus und Variationen und erst jetzt ergibt das Ganze den richtigen
Einklang. Erst jetzt ist das Konzert oder das Bild vollkommen. Rechts von Ihnen sind Bilder von Christa
Manz-Dewald zu sehen. Sie ist
in Spanien und kann leider heute nicht bei uns sein, was sie bedauert, aber ab
dem 16-ten März ist sie wieder da. Wen jemand von Ihnen irgendwelche
Fragen an Sie hat,
sie ist bis September in Köln erreichbar. Dann
fliegt sie nach China, wo sie ihre Arbeiten in Hefei
zeigt. Hefei liegt im Süden des
Landes und ist eine Kleine Stadt. Für
chinesische Verhältnisse, an die
fünf Milliönchen Leute wird das Kaff schon zählen, aber bevor sie Kölnische
Einflüsse auf das chinesische Kunstverständnis in der Hauptstadt der Provinz Anhui ausbauen wird, können wir einige ihrer Arbeiten aus
der Serie „a´temps“ im IGNIS sehen. Auch sie ist auf ihrem Weg geblieben.
Sie arbeitet schon immer vorwiegend
mit Tusche. Und sie experimentiert gerne mit dem Zufall, mit Prozessen,
die nicht gänzlich kontrollierbar sind. Der Titel der Serie bedeutet „gleichzeitig“.
Die Bilder hier entstanden in Folge der chemischen Reaktionen zwischen
der Tusche und den Entwickler- und Fixiermitteln auf dem Fotopapier in einer
Dunkelkammer. Wer noch
schwarz-weiß fotografiert hat, weiß wie schnell und ständig sich das alles
ändert, welche entscheidende Rolle die Zeit
spielt. Christa Manz-Dewald gibt mit
der Tusche einen ersten Impuls, eine Initialzündung und das Geschehen nimmt
seinen Lauf. Man kann nicht ganz
beherrschen, was passiert. Aber man kann
versuchen einen flüchtigen Zustand, einen Moment festzuhalten, wie auf einem
Foto, das einen Springer noch immer in der Luft zeigt. Sie
versucht den Moment, die Zeit einzufrieren. Aber solche Momentaufnahme hält
statisch fest, was dynamisch verläuft. Das
heißt: wir bekommen in diesem Fall nur die Spuren des Geschehens zu sehen.
Denn der Tatort ist in diesem Fall das
Fotopapier. Die Menschen sind von Natur
aus neugierig und die Bilder wecken in uns den Amateurdetektiv und
Spurenleser. Wir
versuchen zu entziffern was vorher geschah und wohin das führen könnte. Es wird
uns nie gelingen die Geheimnisse zu enträtseln, aber wir können uns diese
Aufgabe immer wieder stellen und das ist schön. Bei der
Erschaffung solcher Bilder ist ein fotografisches Wissen nicht nur in Sachen
der Bearbeitung des Fotopapiers erforderlich. Ein bekannt experimentfreudiger
Kölner Fotograf war bei der Entstehung der Serie dabei. Er heißt
Josef Snobl und ich freue mich, dass er heute hier
ist. Wenn Sie weitere
Fragen zu der Serie haben, wenden Sie sich an Ihn. Als Komplize muss er
alles wissen. Das ist noch nicht alles. Wir haben
heute eine Auswahl von polnischen Trickfilmen
vorbereitet, die im Flur zu sehen sind. Jeder, der sich mit der polnischen
Kunst ein Bisschen befasst hat wird sofort sehen, dass es sich um große
Namen handelt. Große Namen aus dem Bereich des Films
und der Bildenden Kunst. Jan Lenica, Walerian Borowczyk, Miroslaw Kijowicz, Ryszard Czekala, und so weiter… Und ein Name wird in Köln auch dem
geläufig sein, der nichts über die polnische
Kunst weißt: Zbigniew Rybczynski,
der auf der Kunsthochschule für Medien
in Köln gelehrt hat und dessen mit dem „Oskar“ gekrönten Film „Tango“
heute auch zu sehen ist. Nutzen Sie die Gelegenheit, sehen Sie
sich die Filme an, betrachten Sie die
Skulpturen und Bilder. Befragen Sie die Künstler und stellvertretend für Christa Manz-Dewald Josef Snobl, wenn er sich unvorsichtigerweise heute hierher
gewagt hat. Fragen
Sie sie unbarmherzig aus: über ihre Arbeiten, Methoden, Ansichten und so
weiter .... Sie werden Ihnen gerne antworten - es ist nämlich schon zu spät zu
fliehen. Und es
ergibt sich noch eine Möglichkeit, die Gelegenheit zu nutzen: Alle ausgestellte
Exponate kann man käuflich erwerben.
Wir nehmen keine Gebühren
oder Provisionen, und das kann sich bekanntlich in den Preisen widerspiegeln.
Also nutzen Sie die Gelegenheit. Nur zu. Und noch etwas haben wir Für Sie: als
Umrahmung der heutigen Vernissage präsentiert
Margaux mit Begleitung von BANDiten
Chansons. Genießen
Sie die Musik, die Filme, die Kunst. Das Ende der Veranstaltung ist, wie immer
offen. Ich danke Ihnen.
Janusz Pac-Pomarnacki |
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