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Ausstellungseröffnung
Einleitende Worte am 2. Mai 2008 Meine sehr verehrten Damen
und Herren, liebe Freunde des IGNIS
und der Kunst, es
ist wieder so weit und Sie sind wieder hierher gekommen, trotz vielen
anderen Verlockungen, die uns die Stadt heute bietet. Es freut mich
ungemein, dass ich Sie wieder bei der
Ausstellungseröffnung begrüßen
darf. Ich grüße Sie, wie immer, herzlichst und bin
stolz Ihnen
eine sehr gute und interessante Ausstellung präsentieren zu können.
Viele von Ihnen haben schon früher die
Skulpturen im Garten gesehen,
oder waren sogar bei der letzten Vernissage dabei, als die Skulpturen
vorgestellt worden sind und fragen
sich sicherlich, was haben
sie heute hier zu suchen? Die Frage ist berechtigt und die Antwort
ist simpel: wir konnten uns von Diesen Arbeiten einfach nicht trennen. Sie lieferten so oft den
Ausgangspunkt für die vielen Gesprächen
über Kunst, über die heutige Kunst. Sie ließen viele nicht
kalt, sie riefen verschiedene, unterschiedlichste Reaktionen hervor.
Immer und immer wieder. Deshalb haben wir beschlossen die
wirkungsvolle Anwesenheit der Skulpturen
von Wlodek Stopa im
Garten der Villa IGNIS zu verlängern.
Am liebsten würden wir sie für immer beibehalten, aber dass
geht natürlich nicht. Und nicht nur deshalb, dass wir sie nicht bezahlen
könnten. In den Sommermonaten haben wir ein Partyzelt im
Garten stehen, was viele, vor allem Raucher zu schätzen wissen, um
draußen auch dann aktiv werden zu können, wenn es regnet. Mit
den Skulpturen wäre es zu gefährlich, zu riskant. Aber so lange, wie
es geht, zeigen wir weiter die Skulpturen von Włodek
Stopa. Er ist nicht der einzige heute, der in
IGNIS schon vor Jahren präsentiert
wurde. Das betrifft auch den Roman Pompe. Aufgrund des Interesses für Filme von
Roman Pompe, zeigen wir einige
von seinen aktuellen Arbeiten und für die, die noch keine gesehen
haben, auch einige von seinen alten Trickfilmen zum Vergleich.
Sie
werden feststellen, dass er sich treu geblieben ist. Die neueren Filme
entwickeln die Erzählmethode weiter, sie sind bestimmt technisch
präziser, vielleicht reifer, aber sie erkunden und erzeugen immer noch ungewöhnliche, witzige
Bewegungsabläufe. Die
Bewegung ist sein Hauptthema geblieben. Es ist schwer zu glauben mit welchen
verblüffend einfachen Mitteln er
seine pfiffigen Effekte erzeugt. Wer will erfahren, wie er das macht, kann
sich direkt an ihn wenden. Ich möchte nur ihre Aufmerksamkeit auf
die Bewegung lenken, auf das, was in der Zeit und mit der Zeit selbst
geschieht in seinen Filmen. Ich mache das,
nicht nur deshalb, dass
ich seine Zeitexperimente interessant finde, sondern auch deshalb,
dass es die Zeit, die Bewegung ist was alle drei präsentierte Künstler
der Ausstellung verbindet. Meine Damen und Herren, links von Ihnen
sehen sie Fotos von Bianca
Patricia Radziwanowska. Wie gesagt, es handelt sich heute bei
allen drei Künstlern auf irgendeine
Weise um Abläufe, um etwas, was in der Zeit geschieht. Bianca
Patricia Radziwanowska befasst sich oft mit der
Zeit, mit der Bewegung
und in diesen Arbeiten ausschließlich damit. Viele werden diese Fotos mit Bildern von
dem berühmten, 1992 gestorbenen
Engländer Francis Bacon assoziieren. Und die Verwandtschaft
ist nicht zu leugnen. Auch er hat sich mit den Abläufen,
also mit der Zeit intensiv beschäftigt. Nichts hat ihn mehr zu
seinen deformierten menschlichen Gestalten in seinen düsteren Bildern
inspiriert, als die Fotostudien von Edward Muybridge,
die menschliche
und tierische Bewegungsabläufe aufzeichneten. Und jetzt haben wir wieder Fotos, die an
seine Malerei erinnern. Ganz
bewusst. Bianca Patricia Radziwanowska hat kleine,
einfache Aktionen
aufgenommen, wie zum Beispiel „jemand zieht sich aus“, oder
„eine Gruppe von Menschen bewegt sich“. Nur normalerweise bekommen
wir eine Serie von Fotos, die einzelne Phasen der Bewegung
nacheinander zeigen. Diese Fotos wurden von einer
Spezialkamera aufgenommen, die einzelne
Stadien der Bewegung nicht nacheinander, sondern nebeneinander
auf einem Bild zeigen. Das Ergebnis ist auch, wie bei den
Bildern von Bacon, verzerrt, deformiert. Aber er erinnert auch an etwas
ursprüngliches, an schichten der geologischen
Ablagerungen, die man an senkrechten Wänden von Ausgrabungen
finden kann. Sie erzählen auch. Sie erzählen manchmal sehr
bewegende Geschichten, die sich in Sekunden, Minuten oder Millionen
von Jahren abgespielt haben. Jetzt aber ist die Wand statisch, sie ist
etwas festes, was anscheinend schon
immer so gewesen ist und so wird sie für immer bleiben. Und die
Fotos sind auch statisch und dynamisch zugleich. Etwas zerfließt, aber
es sitzt ganz sicher und souverän im Bild. Diese Bilder wirken eher malerisch, als
fotografisch, von Fotos erwarten
wir doch eine dokumentarische Einstellung, eine Faktografie. Sie sollen uns die Dinge präsentieren, vielleicht Atmosphäre,
nicht Abläufe, was hier der Fall ist. Und sie sind nicht auf
einem Computer weiter bearbeitet. Nur fotografiert. Erstaunlich,
nicht wahr? Und rechts von ihnen sind Bilder von
Tanja Kolinko zu bewundern. Das sind Bilder vorwiegend aus der Serie
„Aus dem Alltag der Stadt“.
Wenn wir die Fotos links von Ihnen mit den Bildern rechst von
ihnen vergleichen, da machen die Bilder eher den Eindruck der Fotos.
Sie haben etwas dokumentarisches, wie Schnappschüsse von Situationen,
die zufällig vor die Kamera
erschiennen sind. Meine Damen und Herren, kein Foto diente
als Vorlage für diese Bildern.
Tanja Kolinko malte sie am Ort des Geschehens, wie Impressionisten,
die in die Landschaft mit Mallkasten zogen. Sie haben
damals eine neue Sichtweise entdeckt und entwickelt, die für die
große Mehrheit völlig unakzeptabel war. Und wenn wir in diesen, ohne
fotografischen Vorlagen entstandenen
Bildern, das finden, was wir aus dem Sucher der Kamera kennen,
heißt das: sie hat ihre Wahrnehmungsweise unseren Sehgewohnheiten
angepasst, sie hat diese Sichtweise neu entdeckt. Man
darf das nicht mit dem so genannten Fotorealismus, oder
Hyperrealismus verwechseln. Fotorealisten
haben das Foto abgemalt
– minutiös, mit allen Details. Das waren eigentlich Fotos, nur
mit Pinsel und Farbe gefertigt. Diese Bilder versuchen nicht, eine präzise Nachahmungen der Wirklichkeit
zu werden. Lässig gemalt geben sie nur die Atmosphäre des
Ortes wieder, keine Details. Es ist auch keine Landschaftsmalerei.
Obwohl manchmal auch die Menschen
zu sehen sind, die nur als Staffagefiguren fungieren, sie heben
sich nicht von dem Hintergrund ab. Es werden keine Geschichten
erzählt und die Menschen sind überhaupt nicht wichtig. Sie
gehören einfach zu diesem Ort dazu. Es sind meistens kleine Bilder, Skizzen.
Und sie haben diesen Skizzenhaften
flüchtigen Charakter, aber sie entdecken etwas, was uns
betrifft. Vielleicht ist das die Schnelligkeit unseres Lebens, alles rennt
um uns herum… Oder die Vorläufigkeit, weil
alles sich ständig ändert,
und wir registrieren nur die Augenblicke, die Augenblicke, die gleich
verschwinden. Das ist der Faktor Zeit, die Zeit ist in
diesen Bildern gefangen. Auch
Tania Kolinko
befasst sich mit der Zeit. Die Skizzen dienen meistens als
Notizbuch für große Bildern, die dann
präzise verarbeitet werden. Ich würde mir aber auch sehr große Bildern
wünschen, die weiter so lässig, so vorläufig, skizzenhaft gemalt
werden, damit das nicht verschwindet, was so frappierend in diesen
Skizzen steckt. Tania Kolinko ist immer noch auf
der Suche. Man
weißt nicht, wohin sie der ihre Weg führen wird, aber der Weg ist
interessant. Sie sollte auf ihm bleiben. Die Künstler sind da. Nutzen sie die
Gelegenheit und fragen sie unbarmherzig über ihre Arbeiten, Arbeitsweisen und so
weiter. Sie werden
alle Ihre Fragen gerne beantworten, auch deshalb, dass es schon
zu spät ist vor Ihren Fragen zu fliehen. Alle ausgestellten Werke kann man
käuflich erwerben. Wir nehmen,
wie sie wissen, keine Provisionen oder Gebühren, und das kann
sich in Preisen widerspiegeln. Nutzen sie die Gelegenheit, bevor
es zu spät wird. Greifen sie zu! Als Umrahmung der heutigen Vernissage
spielt hier ein Bisschen später
die Band „Easy rider“
Blues-Rock aus Polen. Nutzen
Sie die Gelegenheiten, fragen Sie die Künstler aus, kaufen Sie die
Werke, genießen Sie die Kunst und die Musik. Das
Ende der Veranstaltung ist, wie immer, offen. Ich wünsche Ihnen
einen angenehmen Abend. Ich danke
Ihnen.
Janusz Pac-Pomarnacki |
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