Ausstellungseröffnung
"COINCIDENCE III/2008 - Zusammentreffen in Köln"

 

 

Einleitende Worte am 5. September 2008

 

 

                       Meine sehr verehrten Damen und Herren,

                        liebe Freunde des IGNIS und der Kunst,

 

     der Sommer ist vorbei, die Ferienabenteuer liegen schon hinter uns, wir sind wieder in Köln zurück. Man könnte melancholisch werden…

 

     Aber nein, natürlich nicht! Die Stadt hat viele wunderbare Reize, es ist viel los

und aus dieser Fülle haben sie das richtige gewählt. Jawohl, wir haben für Sie

wieder eine gute und sehr interessante Ausstellung vorbereitet  und ich bin ganz glücklich, dass ich sie heute bei der Ausstellungseröffnung begrüßen darf.

Ich grüße Sie, wie immer, herzlichst.

 

     Es ist uns gelungen zwei sehr interessante Künstler für diese Ausstellung zu gewinnen, daher erlauben sie mir bitte ein Paar Wörter als Einführung. Ich werde mich, wie immer, kurz fassen. Versprochen.

 

      Links von Ihnen haben wir Bilder von Norbert Küpper und ihn haben wir auch

hier. Er sitzt… Meine Damen und Herren – Norbert Küpper persönlich und in

ganzer Lebensgröße.

 

     Es ist schwer eindeutig etwas über Vieldeutlichkeiten zu sagen. Und hier

haben wir eine Menge davon. Einerseits die Massen von Farben, die ineinander

und  übereinander, fließend, oder entschieden, sanft, oder  hart  übergehen, lassen an art informell denken. Denn die informelle Kunst,  die Kunst ohne Formen, lehnt

jede bewusste Beschränkung durch Kompositionsregel, oder der Absicht

erkennbare Gestallten oder Formen zu bilden. Ein Bisschen vereinfacht gesagt:

Das Bild darf keine Voraussetzungen kennen, die Farbflecken sollen nur spontane, intuitive Regungen während der Erstehung des Bildes sichtbar machen. Dieser

bunte Wirrwarr scheint das zu bestätigen.

 

Mancher würde sogar wahrscheinlich sagen: Solche Anhäufung von Materialien könnte auch bei einer Explosion im Lager einer Farbfabrik entstanden sein…

Also Zufall, Spontaneität, Explosivität.

Nicht um sonst wird die informelle Kunst auch als abstrakter Expressionismus bezeichnet.

     Und schon sind wir mit unseren Einordnungsversuchen auf dem

Holzweg. Expressionismus kann stimmen, aber etwas Abstraktes darf nichts darstellen, ein Motiv hätte hier nicht zu suchen. Und wir sehen hier eindeutige

Motive. Und die Titel lassen alle Zweifel unmöglich erscheinen.

          In diesem Zyklus heißen alle Bilder „figura alata“. Also beflügelte Figur.

In allen Bedeutungen: mit Flügel ausgestattet – das sieht man – aber auch

erhaben, flott, schwungvoll und so weiter.

    Die Hauptmotive:  Greifen vielleicht, Dämonen, oder Genien - egal, ganz

sicher Mischwesen aus der Mythenwelt der Antike. Keine Zitate, eher Gestallten

aus dem Geist dieser Welten.

     Norbert Küpper ist vernarrt in die Antike und die Renaissance, die auch in

die Antike verliebt war. Die antiken Motive sind oft auf seinen Arbeiten zu sehen.

Also das ist alles mit Absicht gemacht.

Aber Absicht  und hier doch evidente Spontaneität sind Gegensätze, klarer Widerspruch. Ist das Ganze gelogen? Nur so gemacht, als ob?

 

     Versuchen wir anders. Nehmen wir an, er komponiert das Bild sorgfältig.

Aber das Geschehen auf der Bildfläche scheint mehrere Bilder auf einer

Leinwand gleichzeitig zu beherbergen. Natürlich werden sie nicht als komplette Bildnisse zu sehen. Es bleiben nur Fragmente von einzelnen Bildern sichtbar.

 

     Wie eine freigelegte Wand mit vielen Wandmalereien, die nacheinander in verschieden Zeiten entstanden waren und ihre zahlreiche Schichten  nur fragmentarisch erhalten blieben. Die Zeit  hat die Wand zu dem gemacht, was wir heute sehen. Die Zeit, die Geschichte ist in ihrem Zustand erhalten. Wir betrachten die Zeit.

 

     So entstehen auch die Bilder von Norbert Küpper. Er malt und übermalt, und wieder übermalt, lässt neue Motive neben den alten entstehen, verändert Formate, lässt teilweise ältere Motive verschwinden. Ständig ändert er etwas.

     Er versteht das Malen als ein Prozess, das niemals endet. Ein Bild ist im Grunde genommen immer im Entstehen. Der eingebaute Faktor Zeit ist ständig  aktiv.             

 

     Wenn jemandem von Ihnen ein Bild gerade gefällt, kaufen Sie es noch heute.

Es besteht die Gefahr, dass es morgen anders wird. Und übermorgen noch anders. Norbert Küpper zerstreut Fragmente, Bruchstücke verschiedener Zeiten, Motiven, Emotionen. Er legt Spuren, die sich widersprechen, die in viele, auch entgegen gesetzte Richtungen hinweisen.

     Mann kann sich leicht verlaufen, wenn man die Spuren folgt, sie täuschen. Und

sie zu folgen ist immer faszinierend.

Egal mit welchem Ergebnis.

     Aber auf die Frage, ob seine Arbeiten sorgfältig geplant, oder, im Gegenteil,

total spontan sind, kann man nur mit „sowohl als auch“

antworten. Und ich glaube, die sicherste Antwort auf meiste Fragen, die seine Malerei betreffen, ist ein klares, unmissverständliches „jajn“. Und es ist gut so.

 

 

 

     Links von Ihnen sehen Sie Bildern von Beata Obst. Und sie selbst sehen Sie

da. Meine Damen und Herren  - Beata Obst persönlich bei uns, Beata Obst - das Original.

 

     Sie brauchen sich nicht zu wundern, dass ich die Tatsache, dass sie unter uns

ist, so betone. Sie hatte heute nämlich schon eine Vernissage. Im Bezirksrathaus Lindenthal ist um 19:00 Uhr ihre große Ausstellung eröffnet worden. Sie eilte dann außer Atem, um uns hier rechtzeitig  zu treffen und das hat geklappt.

 

    Hier ist also Beata Obst und das sind einige Früchte ihrer Künstlerischen Aktivitäten. Normale Weise befasst sie sich vor allem mit den menschlichen

Körpern. Zu diesem Thema zeigt sie ihre großformatigen Arbeiten in Lindenthal.

In IGNIS haben wir nur zwei Bildern dieser Prägung platziert, ganz hinten, als Vorgeschmack ihrer Hauptinteresse.

 

     Hier haben wir uns entschlossen Ihnen einen Nebenstrom ihres Schaffens zu Präsentieren. Die hier gezeigten Bilder sind, glaube ich, genauso interessant,

wie die großen, gewissenhaft bearbeiteten Auseinandersetzungen mit dem

Thema. Vielleicht gerade deshalb, weil sie nicht so tierisch ernst gemeint sind.

Das verleiht diesen Arbeiten eine gewisse Leichtigkeit.

 

     Die sind sorgfältig gemalt, aber man muss sich nicht um eine Verantwortung kümmern,  wie es sich für den Künstler, aber auch für den Betrachter

normalerweise gehört. Bei einigen zeigt schon eine angebrachte Textzeile, dass

es sich um einen Scherz handelt, einen delikaten, sanften Scherz.

     Andere verführen mit einem Scharm der überflüssigeren Präzision

der Ausführung des Motivs. Das ruft die naturwissenschaftlichen Illustrationen aus alten Büchern ins Gedächtnis zurück.

     Aus Zeiten eines Alexander von Humboldt, oder Maria Sibylle Merian, die mit voller  Hingabe, einer Portion Bewunderung und der wissenschaftlicher

Sachlichkeit die bizarre Geschöpfe der Natur abgebildeten. Beata Obst spielt

mit diesen Spielzeugen unbekümmert und liebevoll.

 

Natürlich werden die Arbeiten kein Viechern, wie die Witze der

Comedyszene hervorrufen, das wäre eine Beleidigung, aber ein Lächeln, als

Zeichen vergnügter Zufriedenheit zu unterdrücken wird Ihnen schwer fallen. Und

das wünsche ich uns allen.

 

     Meine Damen und Herren, ich konnte nur ansatzweise einige Aspekte von Arbeiten der Ausstellung andeuten, aber die Künstler sind da, unter uns und sie

sind umzingelt und können nicht weg. Nutzen Sie die Gelegenheit und fragen sie

sie unbarmherzig  aus. Sie  werden Ihre Fragen die beantworten müssen und sie werden das gerne tun.

 

      Sie wissen schon Bescheid, dass wir keine Gebühren, oder Provisionen kassieren und das kann sich normalerweise in Preisen widerspiegeln.  Und alle ausgestellten Exponate kann man käuflich erweben. Also nutzen Sie die

Gelegenheit, zögern Sie nicht und greifen Sie zu!

 

     Als Umrahmung der heutigen Vernissage spielt hier in kürze Gruppe

„Romano Trajo“ die Musik von Roma.

 

     Genießen Sie die Kunst und die Musik, sprechen Sie mit den Künstlern,

kaufen Sie die Bilder… Das Ende der Veranstaltung ist, wie immer, offen.

 

Ich wünsche Ihnen einen guten Abend und ich danke Ihnen.

 

 

 

                                                                    Janusz Pac-Pomarnacki