1.   Slawomir Mrozek

 

1.1.           Autorenportrait


Slawomir Mrozek wurde am 26. Juni 1930 in Borzecin in Polen, bei Krakau geboren. Er studierte Architektur, Kunstgeschichte und Orientalistik. Slawomir Mrozek ist Journalist, Zeichner, Prosaist und schließlich Dramatiker, der seit vielen Jahren konsequent für das Theater schreibt. In Polen war er zunächst als Karikaturist erfolgreich. 1957 erschien sein erstes Buch mit satirischen Erzählungen. Es folgten seine Stücke, mit denen er Weltruhm erlangte. Er debütierte im Jahre 1958 mit dem Drama „
Die Polizei“. Mrozeks Theaterstücke – die heute bereits zu den Klassikern der Komödie gezählt werden – wurden von Regisseuren und Publikum wohl wollend aufgenommen. International bekannt wurde er durch sein Drama „Tango“ aus dem Jahre 1964. Er galt damals bei der polnischen Regierung als einer der Vorzeige-Intellektuellen. 1968 beantragte er in Paris, als Reaktion auf die Niederschlagung des Prager Frühlings, politisches Asyl. Er verbrachte sechs Jahre in Mexiko und kehrte 1996 nach Polen zurück. Heute lebt er in Krakau.
Mrozek gehört, mit Beckett und Dürrenmatt zu den bedeutendsten Dramatikern unserer Zeit.

Das wichtigste Theaterstück Mrozeks „Emigranten“ ist 1974 im Ausland entstandenen.

 

 

1.2.           Zum Stück

"Emigranten"  ist ein schwarz-humoristisches Bühnenstück über das Thema Emigration und Integration. Zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, hausen als Emigranten in einem Keller. Irgendein Zufall hat sie halt in diesem Raum zusammen geführt, den Intellektuellen und den Bauarbeiter - irgendwo unter der Treppe in irgendeinem Mietshaus, in einem Raum, wo nur Kabel und Rohre ihren Platz haben. Es ist Sylvester. Oben wird gefeiert. Unten auch. Allerdings etwas anders.

Es ist ein sehr asketisches Drama, dessen Handlung aus einem Dialog zwischen zwei Personen besteht: einem politischen, sehr intellektuellen Emigranten und einem Arbeitsemigranten, Gastarbeiter, der ein intelligenter Grobian ist

Der Text handelt von zwei Flüchtlingen, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen haben. AA ist Intellektueller, wurde als "Politischer" vertrieben. XX hingegen ist Arbeiter und will nur möglichst viel Geld verdienen, um nach Hause zurückzukehren. Zwei Clowns treffen aufeinander, der kluge und der dumme.

So unterschiedlich ihr Leben verläuft, so unterschiedlich sind ihre Ansichten über Glück und Freiheit. AA philosophiert über Idealtypen persönlicher Lebenszustände, XX will sich pragmatisch mit den herrschenden Bedingungen arrangieren. Die Kontroverse ist programmiert. AA hält XX für "einen dummer wehrlosen Arbeitsochsen", dieser hält dagegen: "Klugscheißer!" Letztlich scheitern beide. Das revolutionäre Buch AA’s wird nicht geschrieben, und XX kehrt nicht zu seinen Lieben zurück. Eine Tragikomödie reinsten Wassers, ein Kammerspiel mit unaufdringlicher Moral.


 

2. Die Projektidee

Die Themen der Migration und Emigration sind uns sehr nah, weil wir selbst Emigranten, „die Fremden in einem fremden Land“ sind. Um uns in der neuen Heimat, näher zu kommen, wollen wir miteinander sprechen, sich unterhalten und mit Problemen auseinandersetzen. Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt verlassen ihre Heimat, um ihren Lebensmittelpunkt an einen anderen Ort zu verlegen. Sie machen es aus Tausend verschiedenen Gründen, aber Probleme mit denen sie sich schlagen müssen, sind ähnlich. Sie gelangen an einen beliebigen Ort, zu einen beliebigen Zeitpunkt mit ihren Erfahrungen, Kulturbelastungen, Erwartungen. Dann beginnt ihr Kampf, ums Leben und Tod.

Es soll keine „Tabu“-Themen geben, keine Geheimnisse, keine schamhafte Gebiete. Um Komplexe zu überwinden, Unsicherheiten zu besiegen, wollen wir drüber sprechen, sogar lachen, einfach ins Gespräch zu kommen, ohne dass der eine klüger, besser und der andere dümmer oder schlechter ist. Ob es im Endeffekt lustig ist oder nachdenklich macht ist zweitrangig.

Unser Theaterprojekt soll einen Beitrag in der Diskussion über Migranten und Migration in unserer Gesellschaft leisten.

 

 

3. Reflexionen zu Slawomir Mrozek „Emigranten“

Obwohl sie nur mit Initialen AA und XX benannt wurden, die das Fehlen von individuellen Zügen suggerieren könnten, sind sie zwei die psychologisch reichsten Helden des Autors. Ihre Ziele sind sehr verschieden, der eine sucht im Westen die seelische Freiheit, der andere die finanzielle. Diese Suche ist jedoch ein Selbstbetrug. Der Intellektuelle wird in seinem Leben scheitern, sein Kamerad wird nie in seine Heimat zurückkehren und ihm wird es nie gelingen reich zu werden. Die Emigranten besitzen keine polnischen Akzente, ihre Probleme sind universell, im Text gibt es keine Hinweise auf ihre politische Vergangenheit und auf die Art der Arbeit in ihrer Heimat. Der Emigrantenstatus stellt hier nur eine besondere Situation dar, in der die dramatischen Erlebnisse und Paradoxe beim Suchen nach Freiheit entlarvt werden. In der ganzen Suche erweist sich allerdings das Leiden als das wahrste Gefühl. Mrozeks Held weint am Ende des Stückes und man kann deutlich erkennen, dass es ein ergreifendes, bitteres Weinen ist, das Weinen eines wirklich innerlich zerschmetterten Menschen.

 

4. Über uns

 

Michal Nocon

Geboren 1956 in Miechow (Pl) studierte Pädagogik und Journalistik in Krakau, arbeitete 8 Jahre als Schauspieler und Regieassistent im Theater K.T.O. Krakau und machte 1985/86 sein Regie- und Schauspieldiplom in Krakau bzw. Warschau. 1988 dozierte er als Gastdozent am theaterwissenschaftlichen Institut der Uni Köln. Als künstlerischer Leiter des freien Theaters Actors`Studio Pulheim schuf er  bis heute  18 Inszenierungen und leitet Projekte seines Ensembles u.a. mit der Theaterhochschule Krakau und Arden School of Manchester.

 

Michal Nocon hat in mehrjähriger Arbeit seine außergewöhnliche Trainingsmethode „Der menschliche Schauspieler“ entwickelt. Menschliche emotionale  Fähigkeiten werden erforscht und erweitert. Alle Schauspielübungen werden unter einem einzigen Aspekt durchgeführt:

die Gefühle der unwiederholbaren menschlichen Wesensart nicht auszulöschen.

 

„Meine Grundforderung lautet Wahrheit der Empfindung.

Diese ist als Programm zur Erziehung des Verständnisses und des Erlebens der Gefühle und der bewussten Auseinandersetzung mit Empfindungen, die das menschliche Leben ausmachen, zu definieren. Die ganze Schauspielausbildung ist  eine menschliche Auseinandersetzung mit vielen Ereignissen (Übungen) während des Prozesses der Konfrontation mit dem eigenen Körper, der Stimme, der Vorstellungskraft, des Gedächtnisses und mit den Gefühlen,  die in jedem Moment - ob wir wollen oder nicht – vorhanden sind.“

 

 

Das Ensemble Gdanska

 

Gdanska ist seit sieben Jahren ein Synonym für Kneipenkultur in Oberhausen. Kneipenkultur soll man pflegen. Nicht selten ist sie eng mit Tradition und Gewohnheit verknüpft. Manchmall geht all dies noch einen Schritt weiter. Im polnischen Restaurant Gdanska wird Kultur nämlich als Gut betrachtet. Neben kulinarischen Spezialitäten, sind es häufig Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte, die an den Altmarkt locken.

Regelmäßige Konzerte (wöchentlich)

Jazzige Abende; Jazz-Karussell

Klassische Gitarre, Gitarrissimo,

Bild- und Fotoausstellungen,

 

Open Air Veranstaltungen: Partys, Straßentheaterfest- jährlich

Teilnahme an Kulturveranstaltungen der Stadt Oberhausen