Ausstellungseröffnung
"COINCIDENCE I/2009 - Zusammentreffen in Köln"

 

 

Einleitende Worte am 8. Mai 2009

 

 

                       Meine sehr verehrten Damen und Herren,

                        liebe Freunde des IGNIS und der Kunst,

 

      es ist schön Sie wieder hier zu sehen und versichern zu können,

dass Sie wieder das Beste ausgewählt haben, von allen Möglichkeiten, die uns für den heutigen Abend zu Verfügung standen. Wir haben eine Ausstellung vorbereitet, die sehr interessant ist und die Künstler sind da, um Ihre eventuellen Fragen persönlich zu beantworten. Also ich freue mich sehr Sie bei der Ausstellungseröffnung begrüßen zu dürfen und ich grüße Sie, wie immer, herzlichst!

 

     Man sagt, „ein Bild sagt mehr als tausend Wörter“ und die Zeit ist schon seit langem reif, diese Behauptung zu überprüfen. Wenn das stimmt, muss ich, um einigermaßen den Bildern gerecht zu werden und bei etwa zwanzig Exponaten der Ausstellung, mehr als zwanzig Tausend Wörter jetzt aussprechen.

     Rechnen wir eine Sekunde pro ein Wort, was nicht sehr viel ist. Das macht 60 Wörter pro Minute, etwas über drei hundert dreißig Minuten,

also fünf ein halb  Stunden insgesamt  muss meine heutige Rede mindestens dauern und (ich kann nicht anders) das gerade werde ich

Ihnen jetzt… ersparen. Natürlich würde ich das ihnen nicht antun. Aber ein Paar Bemerkungen erlauben Sie mir doch – ich werde mich, wie immer, kurz fassen.

 

     Links von Ihnen Sandbilder von Rüdiger Bergmann. Und Ihn Selbst haben wir auch hier. Meine Damen und Herren Rüdiger Bergmann.

Der echte Rüdiger Bergmann im IGNIS!

 

     Rüdiger Bergmann ist eine unruhige Natur. Er macht vieles, ist auf  vielen Fronten aktiv, bereist die Erde, taucht, malt, sogar unter Wasser, fotografiert, macht Skulpturen und eben die Sandbildern. Und aus der

Fülle seiner Arbeiten haben wir die Sandbilder für Sie ausgewählt.

 

     Diese Flächen sind uns irgendwie vertraut. Wer hat mit dem Sand

nicht gespielt. Im Sandkasten, am Strand, mit einem Stock, Finger, oder großen Zeh haben wir alle schon auf solcher Fläche gekritzelt, Wegbeschreibung gezeichnet, einen Gegenstand skizziert, oder nur automatisch, ungezwungen und halbbewusst den Finger auf der Fläche bewegt, so, wenn man jemandem zuhört. Das haben wir schon alle, ohne Ausnahme erlebt. Das ist doch Normalität.

 

     Warum aber wirken  die Bilder vom Rüdiger Bergmann so fremd,

so unverschämt geheimnisvoll?  Die rauhen Flächen der Bilder sehen

wir oft. Die Spanier vor allen zeigen  mit Vorliebe Bilder, die wie verputzte Wände aussehen. Ja, sie wirken deshalb irgendwie würdevoll, vielleicht  ruhig und scheinbar unveränderbar, aber das ist nicht das gleiche.

     Vielleicht die Motive… Er verwendet echte, afrikanische Zeichen und Symbole, oder tut nur so, als ob die echt wären. Uns ist das egal, wir könnten sie so wie so nicht entziffern. Und afrikanische Motive in der europäischer Kunst, gibt´s, wie… Sand am Meer. Viele Künstler waren von Formen der archaischen Kunst Afrikas fasziniert. Zum Beispiel die Kubisten, die waren echte Bewunderer solchen Sachen.

Und sie haben sie auch oft zitiert.  Das ist es also auch, glaube ich, nicht.

 

     Anscheinend ist es für uns nicht wichtig, ob die Symbolsprache der Bilder echt ist, oder nur vorgegaukelt. Schlichtheit der monochromen, rauhen Fläche, zusammen mit der Einfaltigkeit der Motive wecken etwas in uns, glaube ich, etwas, was sehr alt ist und in tiefsten Schichten des unbewussten Gedächtnisses vergraben, scheinbar vergessen schlummert.

 

      Irgendetwas lässt uns  die Artefakte in diesen Bildern erkennen, etwas von Menschenhand geschaffenes. Damals, als wir das lernten, waren solche Zeichen sehr selten, äußerst rar. Ein Produkt eines anderen, fremden Menschen, war wahnsinnig interessant – unwiderstehlig anziehend. Aber vielleicht gefährlich.

Der Sinn der Zeichen eines Artgenossen war und ist verschlossen für uns. Alles kann eine Falle bedeuten. Diese Bilder versetzen uns in einen Zustand der Bereitschaft. Bereitschaft  zwischen  Flucht und Angriff.

Ich glaube, Rüdiger Bergmann berührt etwas Ursprüngliches in uns.

Er spielt auf der Tastatur unserer instinktiven Wahrnehmung, die uns bis heute unbemerkt oft leitet.

     Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf, wenn ich diese Bilder betrachte.

 

 

     Rechts von Ihnen sehen wir die Arbeiten von Marta Pieczonko und sie ist auch hier. Meine Damen und Herren, die einzig wahre Marta Pieczonko persönlich!

 

     Heute zeigen wir Ihnen zwei Künstler, die zwar ganz anders sind, aber etwas verbindet die beiden doch sehr stark. Das ist eine geprägte Sensibilität für unüblichen Materialen, in denen sie arbeiten. Und das Material, das sie anwenden, bildet schon ein Teil der Aussage des Werkes. Bei Marta Pieczonko sind das Textilien, vor allem Filzstoffe.

 

     Textilkunst kennen wir gut. Es gibt vieles davon. Professionalisten

und Amateure überbieten sich in Ausstellungen, Symposien, Märkten,

Auktionen. Die Szene ist sehr lebhaft, alle stricken, häkeln, nähen,

verknüpfen, flechten, weben, binden usw. Und jetzt noch eine

Ausstellung? Wir sind schon übersättig. Warum wird plötzlich IGNIS

zum Forum für diese breite Bewegung? Berechtigte Fragen.

 

     Aber schauen wir uns das genauer an. Hier existiert die Materie

des Objektes nicht um  ihrer selbst Willen, um als solche im

Zusammensetzung mit anderen erkannt zu werden und  die

Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich selbst zu lenken.

Normaleweise stehen die Eigenschaften des Materials, seine

Ausdrucksmöglichkeiten im Vordergrund, so mindestens empfinden

wir heute die Bezeichnung „Textilkunst“.

 

     Und bei Marta Pieczonko – nichts dergleichen. Klare Linearität,

monochrome , manchmal umrandete Flächen. Die Arbeiten sind  mit

großer ästhetischen Sorgfalt gemacht, aber nicht die schone Form ist

das Hauptziel des Vorhabens. Bestimmt nicht.

 

     Sehen die Arbeiten nicht eher wie Zeichnungen?  Haben sie nicht

manchmal  Cartooncharakter oder sehen sie nicht, wie eine

Comiczeichnung aus? Und die Beschaffenheit des Materials, seine

Dreidimensionalität werden hier nicht besonders unterstreichen…

Sie sind flach, wie jede andere Graphik auch.

 

     Ja, meine Damen und Herren - das ist Graphik, eindeutig Graphik,

nur mit anderen Mitteln als üblich gemacht, aber zweifellos Graphik.

 

     Einige von diesen Arbeiten entstanden auf Bestellung, als bildliche Kommentare zu den Presseartikeln in Zeitschriften. Das ist doch Aufgabe für einen Graphikdesigner, nicht für einen Weber.

Und das erklärt auch den scherzhaften, oft satirischen Charakter dieser Bilder. Sie dienten als Vorlage für die Illustrationen in Zeitschriften. 

 

     Und es wären gute, aber ganz normale Pressezeichnungen, wenn nicht das Material. Das Material erzwingt eine vollkommen andere Vorgehensweise, ändert die Aussage, ihre Temperatur, Schärfe usw. Einfach alles. Hier sieht man das deutlich.

 

     Und wir stehen vor einer Graphik, die eine Graphik ist, aber nicht so ganz und gleichzeitig von einem Textilkunstwerk, das ein Textilkunstwerk ist, aber auch nicht so ganz, also von einer Mischung von beidem, wir stehen von einer anderen, selbstständigen Qualität, mit eigenen Regeln, Ordnungen und typischen Eigenschaften, die gerade jetzt erst entstehen.

 

     Marta Pieczonko ist eine Graphikerin, sie hat Graphik absolviert, aber sie experimentiert mit Textilien, sie probiert eine Symbiose der Materialkunst mit der intellektuell beladenen, künstlerischen Aussage. Diesbezüglich ist sie erst am Anfang ihres Weges, aber es ist schon zu sehen,  dass die Reise sie in interessante Gebiete führt.

 

 

     Meine Damen und Herren, die Künstler sind unter uns. Lassen Sie

Sie nicht entkommen, bevor sie alle Ihre Fragen beantwortet haben.

Fragen Sie sie unbarmherzig aus, konfrontieren Sie sie mit Ihrer Meinung. Sie sind umzingelt und haben keine Wahl. Sie werden antworten müssen und sie werden das gerne tun. Ich hoffe, dass auch ich Ihnen ein Bisschen kontroverser Munition für Diskussionen mit meiner Einführung geliefert habe.  Nutzen Sie die Gelegenheit.

      Alle ausgestellten Exponate kann man käuflich erwerben. auch das ist eine einmalige Gelegenheit. Wir nehmen keine Provisionen oder Gebühren und das kann sich bekanntlich in Preisen widerspiegeln. Greifen Sie zu. Preiswerter wird es wahrscheinlich nie mehr.

 

     Das ist aber noch nicht alles, was wir für Sie vorbereitet haben.  

Als Umrahmung der heutigen Vernissage spielt hier später Markus Reinhard Ensemble. Also nutzen Sie die Gelegenheiten:  genießen Sie die Kunst und die Musik, fragen  Sie die Künstler aus, kaufen Sie die Kunstwerke. Das Ende der Veranstaltung ist, wie immer offen.

 

     Ich wünsche Ihnen einen gelungenen Abend und ich danke Ihnen.

 

 

 

                                                                    Janusz Pac-Pomarnacki