Ausstellungseröffnung
"COINCIDENCE II/2012 - Zusammentreffen in Köln"

 

 

Einleitende Worte am 4. Mai 2012

 

 

       Meine sehr verehrten Damen und Herren,

       liebe Freunde des IGNIS und der Kunst,

 

 

            Meine sehr verehrten Damen und Herren,

            liebe Freunde des IGNIS und der Kunst,

 

    

            alles wackelt auf der Welt, Ideologien und Werte zerfallen,  feste, fundamentale Regeln bedeuten nichts mehr, nichts mehr ist sicher. Sogar das Wetter erlaubt uns nicht mehr zu sagen welche Jahreszeit wir gerade erleben. Es gibt kein Verlass auf irgendetwas. Nichts. Weltuntergang und Katastrophe.

 

            Aber natürlich gibt es uns und vor allem Sie, meine Damen und Herren. Wir sind hier immer für Sie da, wie ein Fels in der Brandung und Sie sind unverändert unbeirrbar und unübertroffen  in Aussuchen was heute das Beste Ereignis in der Stadt ist. Und in der Stadt läuft heute ein viel verlockendes Angebot. Sie aber sind  standhaft und unerschütterlich geblieben.

 

            Zum zweiten Mal in diesem Jahr eröffnen wir heute wieder eine  Ausstellung aus der Ausstellungsreihe „Coincidence“  im IGNIS. Und Sie sind wieder hier. Es gibt etwas Interessantes zu sehen und zu hören und das haben Ihre phänomenalen Nasen sofort gerochen. Mit der Fangfrage ob eine Nase riechen kann was gut zu sehen und zu hören ist, brauchen wir uns nicht zu befassen. Ihre können es.

 

            In voller Demut und Anerkennung Ihrer wunderbaren Riechorgane freue ich mich sehr Sie bei der Eröffnung der Ausstellung begrüßen zu dürfen. Ich grüße Sie, wie immer herzlichst.

 

 

            Von vornherein muss ich einige Mutmaßungen korrigieren, die mein Aussehen heute betreffen.

- Es ist nicht Wahr, dass ich Persönlichkeiten, wie Admiral Nelson, oder Moshe  Dayan damit würdigen möchte. Auch bin ich nicht von der Piratenpartei beeinflusst worden.

- Es sind mir keine Mücken oder Elefanten ins Auge gefallen.

- Ich habe noch nie eine lebhafte Diskussion über Kunst mit meiner Frau geführt in der sich gezeigt hat, dass sie über schlagkräftigere Argumente verfügt.

 

            Alle diese Vermutungen sind falsch. Vielmehr habe ich in einem Selbstversuch feststellen wollen, welchen Wahrheitsgehalt der populäre Werbespruch: „Mit dem Zweiten sieht man besser“ hat. Mein Fazit ist: „Erst mit den beiden sieht man gut“. Glauben Sie mir. Das ist die Wahrheit.  

 

            Natürlich lohnt sich hier zu sein. Wir haben eine sehr interessante Ausstellung für Sie vorbereitet mit Arbeiten von zwei frappierenden Künstlern. Erlauben Sie mir bitte ein Paar Bemerkungen zu diesen Arbeiten und ich werde mich, wie immer, kurz fassen. Versprochen.

 

 

            Rechts von Ihnen sehen wir Objekte von Herbert Rosner. Und ihn selbst sehen wir hier. Meine Damen und Herren – Herbert Rosner! Das ist er. Der einzig echte Herbert Rosner im IGNIS. Ecce Rosner! Und noch hat er heute Geburtstag. Meine Damen und Herren! Bestimmt bin ich nicht alleine, der ihm zum Geburtstag gratulieren will.  Im Namen von uns allen: Herzlichen Glückwunsch!

 

            Herber Rosner betätigt sich auf  verschiedene Weise in der Kunst. Er ist ein Alleskönner. Er malt, macht zwei und dreidimensionale Sachen und es ist mir schwer zu glauben, dass es eine Technik, Richtung oder Methode geben könnte, die er nicht meisterhaft beherrscht. Wir haben keine Möglichkeiten das breite Spektrum seines Schaffens nur ansatzweise zu zeigen und haben uns entschlossen, Ihnen diese Objekte zu präsentieren. Und sie sind sehr interessant.

 

            Auf den ersten Blick verbindet man sofort alle diese Arbeiten mit dem Surrealismus. Und diese Provenienz kann man nicht leugnen. Nur… Surrealisten haben nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr an bisher geltende Regel glauben wollen. Gesellschaftliche Ordnung, Logik, Vernunft, bewährte Verhaltensweisen, all das  mündete schließlich in den Trümmern  und Ruinen des Krieges.

 

            Die Künstler wollten etwas Neues finden - eine erweiterte Wahrnehmung, weg von engen Gesetzen der Vernunft, zu neuen Erlebnissen, Begriffen, zu prälogischen, oder antilogischen Schlussfolgerungen, zu Automatismen, zur überzeugenden Regeln des Traums.  Also, um es kurz zu machen, man soll nicht überlegen, nicht

nachdenken, sorgfältig kombinieren, keine ausgedachte Kommunikation mit dem Adressat versuchen. Nur Intuition, nur spontane, unbewusste Eruption von gestauten Vorahnungen gilt als etwas, was über dem Realismus, also für Surrealismus steht. So, grob gesagt, haben sie in ihren Manifesten postuliert.

 

            Aber waren sie so, trotzt allen Experimenten, immer konsequent? Wenn jemand sorgfältig ein Bild komponiert und dann präzise, nach diesen Voraussetzungen es malt, oder zusammensetzt, wo bleibt denn die notwendige Spontaneität? Wie weit ist das alles unbewusst?

 

            Das war mir bei den Surrealisten immer ein Bisschen verdächtigt und das kann man hier auch, glaube ich, beobachten. Ich kann nicht glauben, dass nur pure Zufall, oder eine unbewusste Regung die Hauptkraft bei der Entstehung dieser Arbeiten war. Sie sind ästhetisch elegant. Das schließt schon den Zufall aus. Sie sind

ausgewogen, sie sind einfach durchdacht.

 

            Natürlich glaube ich an eine große Portion von Abenteuerlust  und die Suche nach Unbekanntem. Es sind bestimmt Gefühle am Werk. Er arbeitet mit den Fragmenten der Wirklichkeit, nur stellt er sie anders zusammen. Und diese Fragmente haben ihre Eigenschaften, mit denen er spielt. Ein Gegenstand, oder ein Teil von ihm besitzt in unserer Wahrnehmung ein Gepäck von Assoziationen – die können verschieden für verschiedene Zuschauer sein, aber sie nimmt er in das

Bild mit und setzt sie in unerwarteten Sätzen mit anderen zusammen - ich wage zu vermuten – bewusst!  Er will, glaube ich, bestimmte Assoziationen in uns hervorrufen. Was ihm auch gelingt. Dass ist alles gut und legitim, aber ich möchte das anders nennen. Ich schlage vor diese Arbeiten nicht mehr „surrealistisch“,  sondern „assoziationistisch“ zu nennen. Dann wird alles klar.    

         

 

            Links von Ihnen haben wir zwei Arbeiten von Maria Pac-Pomarnacki und sie haben wir auch hier. Meine Damen und Herren: Maria Pac-Pomarnacki – höchstpersönlich und in voller Größe.

            Maria Pac-Pomarnacki befasst sich auch und schon seit einiger Zeit mit Gegenständen. Aber sie benutzt keine echten Sachen, sie setzt sie auch nicht zu interessanten Kombinationen, die neue Bedeutungen und Spannungen bilden. Sie stellt nur die Gegenstände vor. So scheint es zu sein. Aber so einfach ist es nicht.

 

            Zwei nacheinander stattfindende Ausstellungen haben von den

Ausstellungsmachern  zwei Titel bekommen – die erste „Alltagsmythen“  und die nächste „Alltagsmystik“. Und die Sachen auf Marias Bildern sind keine erhabenen oder besonders schönen Gegenstände.  Es sind profane, banale Sachen, die man oft übersieht, die man meistens nicht wahrnimmt. Man weißt, das es sie gibt, man

stolpert tagtäglich über sie, aber sie sind es nicht wert überhaupt bemerkt zu werden. Was kann an einem Fass, einem Balken, einem Spaten, einem Container, oder einer kaputten Bank interessant oder aufregend sein. Nichts eigentlich.  

 

            Sie sind auch nicht verschönert, nicht sorgfältig für die Präsentation ausstaffiert. Sie sind in ihrer Gewöhnlichkeit und ihrer Unvollkommenheit total und unverschämt entblößt. Sie zeigen alle ihre Macken. Man könnte meinen – sie sind wehrlos ausgeliefert, aber das stimmt überhaupt nicht.

 

         Noch dazu sind sie eher lässig gemalt. Oft widerspricht der Umriss des Gegenstandes der Beschaffenheit seines Körpers, wenn der Umriss offensichtlich danebenliegt.

 

            Woher also dieser Stolz, diese monumentale Selbstsicherheit, die diese unscheinbaren Gegenstände plötzlich ausstrahlen? Es gibt zweifellos ein Geheimnis, etwas uraltes, mythologisches, mystisches, was nur einer Handvoll von Eingeweihten zugänglich ist. Irgendetwas Magisches müssen sie verbergen. Unbedingt.

 

            Ich glaube, dass man nicht wissen kann, was das ist. Man kann die Arbeitseinstellungen, Methoden und Techniken analysieren – aber alles, was sie anwendet, tritt auch in anderen Arbeiten auf.

 

            Die raue, aus unzähligen Schnipseln und Fetzen von Papier gebaute Bildfläche, die zentrale Komposition  von Gegenständen im einem undefinierbaren Raum und so weiter… - das alles ist zu wenig um diesen banalen Sachen ihre mystische Persönlichkeit zu verleihen.

 

            Sie sind nur das, was sie sind. nichts mehr. Nichts suggeriert, dass sie etwas anderes, besseres wären. Trotzdem sind sie anders. Und das ist Mystik.

 

            Meine Damen und Herren, das sind nur meine Empfindungen. Und sie sind ein Bisschen provokativ. Das gebe ich zu.

 

            Der beste Weg zu einem Kunstwerk ist immer sich selbst mit den Arbeiten zu befassen. Lassen sie auf sich wirken. Setzen sie sich mit ihnen auseinander. Vielleicht finden Sie für sich etwas völlig anderes.

 

            Nutzen Sie vor allen die Gelegenheit, dass die beiden Künstler da sind. Etwas Autorisiertes finden Sie bestimmt nur bei ihnen.

 

            Sie sind unter uns, mitten unter uns und das bedeutet auch, dass sie von uns umzingelt sind. Also fragen Sie sie hart, unbarmherzig aus. Sie befinden sich in einem Belagerungszustand. Sie haben keine Fluchtmöglichkeiten, sie werden alle Ihre Fragen beantworten müssen und sie werden das gerne tun.

 

 

            Meine Damen und Herren, alle ausgestellten Exponaten kann man

käuflich erwerben. Die ganzen genannten Summen gehen direkt an die

Künstler und das kann sich bekanntlich in Preisen widerspiegeln. Also zögern Sie nicht. Lassen Sie sich die Gelegenheit nicht entgehen.

 

            Im Flur können Sie die Filme von ehemaligen Studenten der berühmten polnischen Filmhochschule aus Łódź sehen. Riskieren Sie einen Blick in die Zukunft des Kinos. Vielleicht werden Sie irgendwann die Züge von der heutigen Projektion in einem Meisterwerk wieder erkennen. Es lohnt sich.

 

            Aber das ist natürlich noch nicht alles, was wir für Sie heute haben.

Später erwartet Sie noch Musik. Als Umrahmung der heutigen Vernissage spielt hier für Sie noch die Band The Blair Witch Project

ein Konzert.

 

            Also genießen Sie die Kunst und  die Musik, schauen Sie sich die Filme an, kaufen Sie sich die Kunst und fragen Sie furchtlos die Künstler aus.

 

     Amüsieren Sie sich prächtig und ohne Eile, denn das Ende der Veranstaltung ist, wie immer, offen. Ich wünsche Ihnen einen gelungenen Abend und ich danke Ihnen.

 

                                                                    Janusz Pac-Pomarnacki