Ausstellungseröffnung
"COINCIDENCE III/2012 - Zusammentreffen in Köln"

 

 

Einleitende Worte am 28. September 2012

 

 

       Sehr verehrter Herr Oberbürgermeister Roters,

       sehr verehrte Frau Generalkonsulin Kozłowska,

       meine sehr verehrten Damen und Herren,

       liebe Freunde des IGNIS und der Kunst,

 

    

            diesmal  fangen wir mit der dritten Ausstellung aus der Reihe

„COINCIDENCE“ ein Bisschen später als sonst an, am Ende September.  Sommerabenteuer sind schon längst vergessen, Kulturbetrieb in Köln läuft
auf Hochtouren, es passiert viel Sehenswertes in der Stadt heute. Wahnsinn. Man kann nicht überall sein, man muss sich entscheiden.

 

            Der Kuchen ist üppig – die Frage ist nur wo sind die besten Rosinen? Sie haben sich richtig entschieden. Vom diesen riesigen  Überangebot das richtige zu finden ist schwer. Da muss man schon eine Supernase haben. Sie haben gerochen, dass hier heute was Tolles zu sehen und zu hören gibt. Natürlich gibt es phantasielose Nörgler, die bezweifeln, dass eine Nase riechen kann was zu sehen, oder hören ist.

 

            Na ja, normalerweise  vielleicht nicht, aber Ihre können das. Der Beweis dafür sind Sie selbst. Ich verneige mich vor Ihren phänomenalen Riechorganen und freue mich Sie bei der Eröffnung der Ausstellung begrüßen zu dürfen. Ich grüße Sie, wie immer herzlichst.

 

            Es lohnt sich wirklich hier heute zu sein – wir haben eine interessante Ausstellung mit Arbeiten von drei bemerkenswerten Künstlern vorbereitet. Erlauben Sie mir bitte ein Paar Bemerkungen dazu. Ich werde mich, wie immer kurz fassen. Versprochen. 

 

 

            Links von Ihnen sehen wir Arbeiten von Ralf Mazura und ihn selbst sehen wir hier. Zeige dich. Er ist es. Meine Damen und Herren: Ralf Mazura bei uns im IGNIS. Der echte, unverfälschte Ralf Mazura!

 

            Ralf Mazura, meine Damen und Herren, ist sehr konsequent und die Bilder, die wir für Sie ausgesucht haben, sind für seine jetzige Arbeitsweise weitgehend repräsentativ.  In seiner Entwicklung bewegt er sich immer in eine Richtung. Mit vielen Mäandern natürlich, Pirouetten,  Variationen und Wendungen, denn die Richtung lässt sich nicht so eindeutlich feststellen. Er spielt mit allem, was ihm in die Hände fällt und das macht ihm Spaß. Das sieht man doch, nicht wahr?

 

            Seine Collagetechnik erlaubt ihm alles zu verwenden: abstrakte Muster, technische Zeichnungen, Undefinierbares oder Fotos. Alle Einzelteile entfernt er aus ihren angestammten Positionen, bearbeitet das Entnommene und steckt es in einen ganz anderen Kontext des Bildes. Dort fungieren sie anders im Verhältnis zu den anderen Motiven des Bildes – die bedeuten hier etwas ganz neues.

 

            Natürlich bringen sie alles Eigene in das Bild mit, aber plötzlich herrschen andere Regel und alles kann alles, sogar sein Gegenteil, bedeuten. Als ob wir bestimmte Antworten für absolut offensichtlich gehalten hätten und jetzt bekommen unsere absolut wahrhaftigere Antworten ganz andere Fragen. Und das macht ihm Spaß.

 

            “Er will nur spielen“ würde man sagen, wenn der Spruch nicht schon von Kynologen und Kynophielen, also Hundekenner und Freunde gepachtet wurde. Und so harmlos sind seine Spielen auch wieder nicht – er jongliert  mit Begriffen  unseres gemeinsamen Bewusstseins, er verunsichert uns und stellt uns vor einem Rätsel. 

 

            Na gut, wir nehmen die Aufforderung an – wir sind bereit eine Lösung zu finden. Und wir haben keine Chance, es gibt nämlich, glaube ich, überhaupt keine Lösung, die man finden könnte und sollte. Er ködert uns mit der sorgfältigen Ästhetik seiner Bilder.  

 

            Es sind keine spontane Eruptionen von Einfällen und Emotionen. Sie sind komponiert wie Musikstücke. Die komplizierten Rhythmen der Motive organisieren das ganze Bild und füllen die ganze seine Fläche. Wie die Musik, die den ganzen Raum vollständig füllt und lässt trotzdem genug Platz für die Fantasie und Assoziationen  des Zuhörers.  Die einzelnen Bestandteile des Bildes dringen sich gegenseitig durch, um in einem Gleichklang zu erscheinen. Wie in einem Musikstück.  Und wir versuchen in dieser harmonischer Einheit die eine einzig richtige Lösung zu finden, die es nicht gibt. Aber ich glaube, dass es nicht darum geht, dass wir sie finden. Wir sollen nur suchen.

 

 

            Rechts von Ihnen haben wir Arbeiten von Urszula Golaszewska

und sie selbst haben wir auch hier. Meine Damen und Herren: Darf ich vorstellen: Urszula Golaszewska höchstpersönlich und in voller Lebensgröße bei uns heute. Urszula Golaszewska!

 

            Urszula Golaszewska ist in erster Linie Modedesignerin. Das erklärt auch die Schneiderpuppe als Modell und Hauptdarstellerin auf Ihren heute präsentierten Fotos. Sie ist ihre alltägliche Umgebung.

 

            Und in der Alltäglichkeit ist alles rundherum schon eigentlich gezähmt, gekämmt und verblasst. Man achtet nicht mehr auf die Gegenstände um die man ständig stolpert. Man nimmt sie nicht richtig wahr, sie sind gerade noch gut genug um sie leicht übersehen zu können. Was kann man neues, interessantes in einem Gegenstand entdecken, den man schon auswendig kennt?  Eigentlich nichts. Es lohnt sich sicherlich nicht darüber nachzudenken.

 

            Man bedient sich eines Werkzeuges doch ganz automatisch, man konzentriert sich auf Ziele, die man erreichen will. Egal ob es ein Schraubenzieher, eine Werkbank, oder eine Schneiderpuppe – solange ein Hilfsmittel in Ordnung ist und keine Probleme bereitet, ist es kein Thema. Das stimmt doch, oder?  

 

            Natürlich stimmt das, absolut! Aber die Fotos von der Urszula Golaszewska widersprechen dem doch vollkommen. Da muss man über eine solide Portion Neugierde, Sensibilität und Vorstellungskraft eines Kindes verfügen um sich so etwas auszudenken zu können.

            Eine gewöhnliche Schneiderpuppe ausgerüstet mit einem papiernem Plättchenpanzer, fast wie die antiken mongolischen oder chinesischen Krieger, dazu eine Handvoll Papierwürfel vor dem pechschwarzem Hintergrund und schon sind wir vom Geheimnisvollen umgeben.

 

            Sie spielt mit uns, sie will, dass wir die Geheimnisse spüren, wie die Kinder, die einen dunklen Keller bereitwillig mit unzähligen Gespenstern bevölkern. „ Sie will nur spielen…“ würde man sagen, wenn nicht die Kynologen… Sie wissen schon.

 

            Sie inszeniert für uns ein geheimnisvolles Märchen. Da ist alles durchdacht, damit unsere urmenschliche oder kindliche Ängste wiedererwachen können. Und es funktioniert – wir spüren es.

 

            Eine sehr wichtige rolle spielt dabei die Beleuchtung und dadurch die scheinbare Dreidimensionalität der Darstellung, die eine mächtige Tiefe suggeriert, in der alle die Gespenster sich drängen und ungesehen lauern können. Man sieht sie nicht, aber sie sind da. Ganz bestimmt. In dieser dunklen, betonten Dreidimensionalität.

 

 

 

            Bestimmt haben Sie schon die bunten Objekte im Garten vor der

Villa gesehen. Natürlich – sie sind wirklich nicht zu übersehen.

Das sind Objekte von Herbert Labusga. Und ihn haben wir auch hier.

Meine Damen und Herren: Herbert Labusga, nicht zum ersten Mal im IGNIS – der!  Herbert Labusga. Meine Damen und Herren – Herbert Labusga unter uns.

 

            Ihn in Köln vorzustellen ist eine ziemlich seltsame Sache. Er ist sehr vielseitig. Der Absolvent  der legendären Kenar-Schule in Zakopane, die für die so genannte „Werkstatkenntnisse“, also höchste Fertigkeiten in verschiedenen Materialien berühmt wurde,  malt, zeichnet, macht kleine und große Skulpturen und Objekte. Mit einem Wort fast alles. Und ich kann um vieles wetten, dass jeder Kölner, aber nicht nur Kölner, etwas von ihm schon gesehen hat. Ich würde sagen, fast jeder weltweit, der einen Fernseher besitzt, etwas von ihm schon gesehen hat. Seit vielen, vielen Jahren fertigt er jedes Jahr einige  von den Wagen des Rosenmontagszuges. Wir alle haben mindestens das gesehen. Natürlich so ein Karnevalswagen hat eine

eigene, eigenwillige Poetik vorzuweisen und hat mit seinen ernsthaften Anstrengungen in der Kunst nichts zu tun, aber er beweist seine Fertigkeiten und  riesengroße Popularität seiner Anonymität, meine Damen und Herren.

 

            Die Objekte hier sind speziell für diese Ausstellung, also für Sie gemacht worden. Sie behaupten sich in dem Garten eindringlich, mit einer Selbstsicherheit ohnegleichen, sie ordnen ihre Umgebung neu

und führen neue Hierarchien ein, mit sich selbst an der Spitze. Es ist

klar, was man als Erstes sieht und was erst später, falls überhaupt. Eine der Formen ist sogar drehbar. Sie ändert sich, man darf sie anfassen…

 

            Und diese freche Farbigkeit… Ist das nicht von allem Guten zu viel? Zweifellos, eindeutig zu viel um ein ernstes Vorhaben zu mimen. 

Nehmen Sie diese Objekte nicht zu tierisch ernst. Betrachten Sie sie als Spielzeuge. „Er will nur spielen“  würde man sagen… Sie wissen schon.

            Natürlich sind diese einfache Formen und ihre Farbgebung mit einem Kinderplatzhintergrund provokativ scherzhaft gemeint. Er lädt uns zum mitspielen ein.

 

            Versuchen wir – was ist ihm wichtig in diesen Skulpturen?  Sind in der bemalten, löcherigen Metallplatte die Löcher, wo nichts ist das wesentliche, oder der Rest vom Metall zwischen den Löchern? 

            Ist die löcherige Platte überhaupt eine Skulptur, wenn sie doch völlig flach, also zweidimensional ist? Oder: ist die drehbare Form noch da präsent, wo sie noch vor einem Moment war, wenn sich ihre Position geändert hat?  

            Und so weiter  und so weiter, immer ernsthafter… Aha, es wird doch wieder nicht so harmlos, wie versprochen, wenn man sich mit der Sache ein Bisschen näher beschäftigt. Trügt diese Leichtigkeit der Spielzeugen und Spielen?

 

            Meine Damen und Herren, es freut mich ungemein, dass wir drei Künstler für diese Ausstellung gewinnen konnten, die gerne spielen. Mal mehr, mal weniger bewusst geplant, aber gerne.

 

            Ich konnte nur einige Aspekte der ausgestellten Arbeiten skizzenhaft ansprechen. Ich habe Ihnen versprochen… Und das sind nur meine, persönliche Eindrücke.

 

            Jeder kann sich auf seine ganz individuelle Weise an die Werke nähern. Und wenn Sie etwas Autorisiertes erfahren wollen, wie kann man das besser als von den Künstler selbst. Nutzen Sie die Gelegenheit!

 

            Alle drei Künstler sind hier, mitten unter uns und das heißt auch, dass wir in Überzahl und sie von uns umzingelt sind. Nutzen Sie die Gelegenheit, fragen Sie sie hart, unnachgiebig, unbarmherzig aus. Die Umstellten haben keine Fluchtmöglichkeiten, dafür haben wir schon gesorgt. Sie werden alle Ihre Fragen beantworten müssen und sie werden das gerne tun.

 

            Alle ausgestellten Exponate kann man käuflich erwerben. Wie Sie wissen, der ganze Preis geht direkt an die Künstler und das kann sich im Preis widerspiegeln. Nutzen Sie auch diese Gelegenheit und kaufen Sie sich die Werke.

 

            Aber das ist noch nicht alles, was wir für Sie heute haben: Im Flur läuft die Projektion von Filmen von heutigen Studenten der legendären, polnischen Filmhochschule in Lodz. Viele Jahre war sie die einzige Filmschule in Polen und deshalb fast alles, was Sie von polnischen Filmen gesehen haben, haben Absolventen dieser Schule gemacht. Schauen Sie in die Zukunft des Kinos, vielleicht entdecken Sie irgendwann später, was Sie heute zu sehen bekommen.

 

            Und das ist auch noch nicht alles für heute. Als Umrahmung der heutigen Vernissage spielt Schau Pau Acoustic Blues feat. Jan Galach zusammen ein Konzert.

 

            Also genießen Sie die Kunst und die Musik, befragen Sie die Künstler, kaufen Sie sich die Werke, schauen Sie in die Zukunft des Kinos – mit einem Wort: amüsieren Sie sich prächtig und ohne Eile, denn das Ende der Veranstaltung ist, wie immer Offen.

 

            Ich wünsche Ihnen einen gelungenen Abend und ich danke Ihnen.

 

 

                                                                    Janusz Pac-Pomarnacki