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Hannelore Pichlbauer
Vita 1951 geboren in Altena 1971 1976 Studium an der Fachhochschule für Design, Münster 1977 1982 Studium der freien Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste, Karlsruhe, bei Wilhelm Loth 1982 Ernennung zur Meisterschülerin 1983 Studienaufenthalt in Japan 1987/88 Landesstipendium für einjährigen Studienaufenthalt in Japan 1991 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württmberg seit 1984 freischaffend tätig im Bereich Bildhauerei und Zeichnung Ausstellungstätigkeit / Symposiumsteilnahmen / Arbeiten im öffentlichen Bereich u.a.: 1981 Kunsthalle Recklinghausen, "Junger Westen 81" Haus der Kunst, München, "Große Kunstausstellung" Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen, "Zeichnen 81" 1983 Stadt Sindelfingen, "Deutsche Bildhauer des 20. Jahrhunderts" 1984 Bildhauersymposium Troisdorf, Erstellung einer öffentl. Plastik 1985 Podium Kunst, Schramberg, EA 1986 "Nationale der Zeichnung", Augsburg Stadt Gaggenau/Daimler Benz, Metall-Symposium 1987 Melanchthonkirche Mannheim, Gestaltung Altarwand, Taufbecken, Tauf- u. Altarleuchter 1988 Metropolitan Museum of Modern Art, Tokyo, "Kodo-ten 88" Stadt Koshoku-shi/Japan,Erstellung einer öffentl. Plastik 1989/90 VA Heimsheim, Brunnenskulptur 1990 Galerie Natsuka, Tokyo, EA 1991 Freundeskreis Wilhelmshöhe, Ettlingen (mit U. Vanoli) 1993 Rathausplatz Titisee-Neustadt, Brunnenskulptur 1994 Haus der Kunststiftung Baden-Württemberg, Stuttgart (mit O. Allenstein) 1996 Kunstverein Germersheim (mit A. Büttner) Sammlung GE, Süderlügum Städt. Museen Heilbronn/Museum Würth, Künzelsau, "Plätze und Platzzeichen" 1997 Kunstkreis Tuttlingen, "Im Quadrat" Sammlung GE, Süderlügum, EA Bildhauersymposium FREIRAUM, Burg Forchtenstein/Österreich Friedr.-Naumann-Stiftung, Königswinter, "Umdenken..." 1998 Städtische Galerie Tuttlingen (mit H. Hepp) Theodor-Heuss-Akademie, Gummersbach, "Umdenken..." Gruppenausstellungen: 1980 4. Internationale Grafik-Biennale, Frechen 10. Festival Moderner Polnischer Malerei, Szczecin/Polen 1982 Wintersalon, Radom/Polen 1993 Jahresausstellung des Kunstvereins Katowice/Polen 1984 "Schlesische Landschaft" BWA Katowice/Polen 1991 Kulturforum des Kreises Düren, Burg Nideggen 1992 "Klang Raum Bilder", Werstener Kreuz Düsseldorf 1994 "Polnische Künstler in Deutschland - Heute", Funkhaus DeutschlandRadio Köln 1996 "Artists from Krefeld", Kunstinitiatief Roermond/Holland "Facetten 96" Kulturtage Meerbusch 1997 "Das kleine Format", Galerie incontro, Eitorf |
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Hannelore Pichlbauer versteht sich als Vermittlerin einer verborgenen Wirklichkeit, die im eigenen Erleben und in der nach außen übersetzten Gestaltung des erlebend Erfahrenen sie selbst und die Betrachter ihrer Arbeiten zum Bewußtwerden eben dieser Wirklichkeit anregt. Der Schaffensprozess wird so zum Dialog zwischen Innen und Aussen, zwischen allem Gewordenen innewohnender Wirkkraft und deren äußerer Erscheinung.
Verschlüsselt und verborgen rührt uns beim Annähern an die einzelnen Kunstwerke etwas an, das im Kontrast zur oberflächlichen Stille beunruhigt. Als habe sich das Vordergründig-faszinierende gleichermaßen als Attraktion und als Schutzschild ihren Werken angeeignet, das lockt und gleichzeitig warnt vor zu eiliger Annäherung, bewegen uns einander widerstrebende Gefühle von Neugier und Scheu .
Im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens von Hannelore Pichlbauer steht der Mensch. Diese so klar und unumstößlich ausgesprochene Feststellung mag überraschen und verwundern. Nehmen doch zunächst die handwerkliche Präzision im Umgang mit dem Material und die stille Sprache sowie die geheimnisvoll anmutenden Kompositionen der Flächen und Kanten bei den Stahlskulpturen einerseits und in den Zeichnungen die spielerisch erscheinende Vielfalt des gestalterischen Umgangs mit der Form des Quadrats andererseits den Betrachter in Beschlag.
Die Härte des Materials bei den Stahlobjekten hindert Hannelore Pichlbauer nicht, damit höchst sensible Metaphern für einen Weg in das Unbekannte der eigenen Binnenwelten zu setzen. Bedeutsam für die Realisierung ihres künstlerischen Anliegens wurde dabei nicht zuletzt ihre konkrete Begegnung mit der japanischen Kultur und Geisteswelt, die sie bewußt gesucht hat. "HATSUGEN", so die Bezeichnung eines Objektes von 1988, meint "gerade auftauchend, nur gerade in diesem Moment". Das Innen, wie scharfe Sicheln geformt, offenbart sich dem Außen, wirkt bedrohlich, befremdlich, Verletzungen sind nicht auszuschließen, und doch geht davon eine Sogwirkung aus.
Diese Spannung von Innen und Außen bestimmt auch die Einblicke, welche die übrigen plastischen Objekte vermitteln, so "GEHEIME OFFENBARUNG" (1990) und "EINSICHT II", ihr jüngstes Werk. Der Zugang zu den nach innen führenden Stufen bei dem ersten der beiden Objekte wird durch ein schräges Kreuz behindert, in japanischen Augen ein Symbol für das, was wir auf keinen Fall wollen. Die Freiheit liegt in der Entscheidung, sich auf die Gefährdungen einzulassen, vorwärtszuschreiten oder zögernd innezuhalten.
Die Beziehung zwischen Innen und Außen setzen auch die Zeichnungen aus jüngerer Zeit ins Bild. Umgrenzt in der Form des Quadrats zeigt sich das Innen mal in unendlicher und undurchdringlicher Tiefe schwarz, mal in von vorn herein vermeintlich zurückweisendem, in sich geschlossenem Weiß. Doch auch hier sehen wir auf verschiedene Weise Zu-, Aus- und Übergänge zwischen Innen und Außen. Trennung und Verbindung gleichzeitig, paradox erscheinend und doch selbstverständlich. Hinzugekommen ist auch das Wort in seiner nicht eindeutigen Dimension als Mittler zwischen den Räumen, zwischen Himmel und Erde, zwischen Geist und Materie, zwischen Seele und Welt.
In den Zeichnungen fällt auch der sparsame Umgang mit Farben auf. Schwarz und Weiß bestimmen die Bildflächen meist mit sanften Übergängen und wechselseitiger Durchdringung. Dabei werden sie nicht nur als Mittel zur Abgrenzung eingesetzt, sondern repräsentieren in schöpferisch-polarer Weise Ganzheit. Weiß in deren alles gebenden und Schwarz in deren verschlingendem Aspekt. In einzelnen Bildern wird bei näherer Betrachtung und konzentriertem Schauen wahrnehmbar, daß Schwarz die spektrale Vielfalt der Farben in sich enthält. Die sich aus dem weiß-schwarzen Ganzen herauswagenden Einzelfarben geben den Bildern tonale Akzente oder hüllen sie fließend-sanft in ihren Farbklang ein.
Ursymbole wie Kreis, Dreieck, Kreuz und Quadrat finden wir auf den Bildern und in den Skulpturen gleichermaßen. Über die archaisch anmutenden und an Tempelanlagen oder antike Heiligtümer erinnernden Elemente der Skulpturen hinaus verweisen sie uns auf den Ursprung unserer Existenz.
Sie berühren und bewegen, diese Kunstwerke, auch wenn uns verstehend die Quelle dieses Berührtseins verborgen bleibt.
aus:
Dr. L. Braun, (Einführung Ausstellung Sammlung GE/ Süderlügum, 1997)
Prof. Dr. Erhard H.M. Lange (Katalog Friedr.-Naumann-Stiftung/ Königswinter, 1997)