Janusz Siewiersky
Gräfestr. 35
34121 Kassel
Tel.: 0561/23665
Atelier: 0561/522896


Zur Person:
1957
geb. in Lowicz / Polen
1975-79
Kunstgymnasium in Kielce / Schwerpunkt Skulptur
1979-83
Ausbildung zum Restaurateur und Schreiner
1983-88
Studium der Bildhauerei an der Akademie für Bildende Künste Warschau
1989-92
Gaststudium an der Hochschule für bildende Kunst Kassel
bei Prof. Harry Kramer und Prof. Alf Schuler

lebt und arbeitet seit 1989 in Kassel

Ausstellungen, Symposien:
1985
Bildhauersymposion Golemow / Polen
1986
Bildhauersymposion Plonsk / Polen
1990
Internationales Bildhauersymposium Vellmar / bei Kassel
1991
Gruppenausstellung Halle K18, Kassel
1992
Ausstellung Gerjea-Kunst quer ab Kassel
1994
Einzelausstellung Galerie Freibank Kassel
1996
Ausstellung To lubie (Was mir gefällt) des polnischen Regisseurs Andrzej Wajda in Krakau im Palacy Sztuki (Palais Sztuki)
1996
Aufnahme einer Skulpturengruppe in die ständige Sammlung des Nationalmuseums in Krakau
1997
Einzelausstellung Galerie Antonspfründe in Augsburg


Foto

Atelierbesuch bei Janusz Siewiersky
Das Feuer im dunklen Keramikofen beginnt zu knistern. Es ist die einzige Wärmequelle für den großen Werkraum am Friedhofsweg 16. "Im Winter muß ich mich einfach nur schneller bewegen", kommentiert Janusz Siewiersky lakonisch die Abwesenheit von Zimmertemperatur. Mit der Kälte scheint der Bildhauer seinen Frieden gemacht zu haben, genauso wie mit den Geistern vom spuknahen Friedhof, mit denen er sich mittlerweile arrangiert hat: "Die haben mich nur am Anfang etwas gestört", gibt er augenzwinkernd zu.

Janusz Siewiersky arbeitet seit fünf Jahren in einem Atelier, das ihm ein Grabsteinbetrieb in Sandershausen zum Selbstkostenpreis überläßt. Hier, wo das Dorf aufhört und der Kirchhof beginnt, findet der 41jährige den Raum und die Ruhe für seine Skulpturen. Zwei Jahre hat er an seinem letzten Zyklus gearbeitet. Entstanden ist eine Reihe von sechs Holzfiguren, der Siewiersky den Titel "Hiob" gegeben hat. Doch der Name sei mehr Zufall, betont der Künstler, der sich gegen eine biblische Kategorisierung wehrt: "Schreibe bloß nicht, daß ich ein religiöser Künstler wäre", bittet Siewiersky. Er habe schließlich nicht dem alttestamentarischen Dulder Gestalt geben wollen, sondern Empfindungen. Seine Themen seien "Pathos" und "Barock"-Stichwörter, die Sinn machen. Bein ersten Kennenlernen der "Hiob"-Figuren fallen die kräftigen Glieder und expressiven Körperhaltungen auf: abwehrende und aufrechte, ergebene und aufbegehrende Gesten. Doch der Eindruck ist nie eindeutig, zumal Siewiersky mit ironischen Elementen arbeitet. Eine Figur versteckt eine marmorne Hand hinter hölzernem Rücken. Eine andere trägt eine steinerne Maske - gleichsam, als sei ihr Ausdruck "Pathos", gespielt. Treffenderweise ist in einem Ausstellungskatalog die Wirkung der "Hiob"-Skulpturen mit dem charakteristischen Spiel von Pantomimen verglichen worden. Siewiersky widmet sich ausschließlich figürlicher Bildhauerei. Nicht zuletzt deshalb empfindet er sich als ein "Dinosaurier". Dekorative, abstrakte, rationale oder rein nach Originalität trachtende Kunst ist nicht seine Sache. Dabei sind die Schöpfungen des "Dinosauriers" alles andere als nostalgisch. Sie wirken trotz ironischer Brechungen ernst, authentisch - sofern man zuzugeben bereit ist, daß der Authentizität auch das Verstecken, Ver-stellen oder Imitieren gehören kann. Für seine Arbeiten gebraucht Siewiersky verschiedene Materialien, außer Holz und Marmor auch Gußstein, Beton, Gips und Wachs. Der Künstler benutzt Hammer und Meißel genauso wie Preßlufthammer und Kettensäge. Auf dem internationalen Bildhauersymposium in Vellmar schuf er ein Jahr nach der deutschen Vereinigung aus Diabas ein fast drei Meter hohes Monument: "Mauer" nannte er die an ein Pink-Floyd-Motiv angelehnte Skulptur. Seinem größten Werk, einer vier Meter langen "Kreuzabnahme", war auch Siewierskys bislang größter Erfolg beschieden: Die Figurengruppe wurde von dem polnischen Regisseur Andrzej Wajda in dessen Ausstellung "Was ich mag" in Krakau gezeigt. Mittlerweile wird die hölzerne "Kreuzabnahme" (Siewierskys Examensarbeit von 1988) im Krakauer Nationalmuseum aufbewahrt. Für seine nächste Ausstellung, die in einer Warschauer Galerie geplant ist, formt Siewiersky derzeit noch im Friedhofsweg aus Wachs und Ton Modelle. Den neuen Zyklus, als Installation konzipiert, nennt er den "Kampf des Matriarchats und des Patriarchats". Auch die will der Künstler als eine zufällige Bezeichnung verstanden wissen: "Der Titel ist nicht wichtig, wichtig ist nur die Bewegung, die Dynamik", sagt er. Menschengroß konzipiert er die Skulpturen, die wächsernen Plastiken nachgebildet werden. Noch sind die Mehrzahl der nötigen Modelle aber ein formloser, harter Wachspudding in einem blechernen Kübel, der auf dem Ofen nur langsam warm wird.

Marcus Angebauer

(aus: (k) KulturMagazin, 4. Jg., Ausg. 45, Kassel, November 1998, S. 28 f.)

Bildmaterial / Künstlerarbeiten
Foto 1: Madonna. Ulme, 1996

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Foto 2: Kinderspiele. Marmor, 1990

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