COINCIDENCE bei IGNIS ­ Rückblick/Ausblick

Dem Lexikon entnehme ich: Coincidentia oppositorium = Zusammenfall der Gegensätze. Dies meinte Gunter Demnig sicher nicht, als er sich bei der Wahl des Titels seiner Ausstellungsreihe bei IGNIS für "COINCIDENCE ­ Zusammentreffen in Köln" entschied. Zusammenführen von Künstlerinnen und Künstlern verschiedenster Nationalität und Präsentation ihrer mit den unterschiedlichsten Ansätzen entstandenen Arbeiten in den Räumen des Europäischen Kulturzentrums IGNIS ­ dies ist die Zielsetzung von Veranstalter und Macher. Die Umsetzung konnte man in diesem Jahr bei vier gelungenen Veranstaltungen nachvollziehen.

IGNIS und Gunter Demnig bewegen sich mit ihren gegenüberschreitenden Aktivitäten auf einem Gebiet, das sich die Gründerin von IGNIS, Liliana Andrzejewski, seit Mitte der 80er Jahre unter damals bedeutend problematischeren Voraussetzungen ebnete. Gegen viele Widerstände ­ auch von politischer Seite ­ gelang es ihr, ein in Deutschland einmaliges kulturelles Zentrum für Künstler und kulturell Interessierte zu schaffen. Nicht nur Ausstellungen, sondern auch musikalische Darbietungen, Vorlesungen und Diskussionen wurden und werden realisiert. Es ist das Verdienst von Thomas Strauss, zu einer Zeit, als es Dissidenten in ihren osteuropäischen Heimatländern fast unmöglich war, sich dort mit ihrer Kunst bemerkbar zu machen, hier in Köln Ausstellungen konzipiert zu haben, die uns Betrachtern Verbindungen, Hintergründe und Verflechtungen der west­östlichen Kulturszenen aufzeigten.

Hier schließt Gunter Demnig mit seiner auch in diesem Jahr fortgesetzten Ausstellungsreihe "COINCIDENCE" an. Er nutzt jedoch die heutigen Möglichkeiten, Künstler aus Ost und West bei IGNIS zusammenzubringen. Es bleibt nicht bei dem Zusammentragen künstlerischer Erzeugnisse, die Künstler arbeiten vor Ort, sie diskutieren, lernen sich näher kennen ­ und verstehen. Für die Zukunftsarbeit wünsche ich dem Veranstalter und dem Ausstellungsmacher mehr Hilfe und weiterhin viel Kraft.


Dietmar Schneider

(Vorwort zum Katalog)


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Das Kind muß einen Namen haben

... Es ist kein Ausstellungstitel, der den Besucher hilfreich bei der Hand nimmt ­ und doch beschreibt er genau das, was ihn erwartet. Denn er beschreibt, was in der Kunst passiert, auf welche Vielfalt der Kunst man sich heute einlassen muß, wenn man nicht gerade einem aktuellen ­ismus auf eisernen Gleisen hinterherfährt. Es ist das gleichzeitige Auftreten unterschiedlicher Herangehens­ und Denkweisen, unterschiedlicher Techniken und Lösungen. Gleichzeitig in West und Ost, und was sonst oft gern nach Herkunft getrennt (und bewertet) wird, findet hier zu einer überraschenden, spannenden Einheit. Es gibt Gegensätzliches und Verbindendes ­ und das bringt oft genug die eingefahrene Erwartungshaltung des Betrachters in heilsame Verwirrung. Kunst wird als subjektive Lebensform vorgestellt ­ sich über die Grenzen hinweg austauschend und über die Grenzen hinweg verständlich, obwohl oder gerade weil sie nicht auf ein internationales McDonald¹s­Niveau heruntergeschraubt wurde.

Jürgen Schön

(Auszug aus dem Vorwort zum Katalog)



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