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Hey! Wir sind (frei nach "De Bläck Fööss") d'r "Melting Pot" "in unserem Veedel", nahe dem Rheinufer, gegenüber dem Zoologischen Garten. Wir - das heißt das Kulturzentrum IGNIS e.V. Viele Kölner Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichen zwar unsere Monatsprogramme, wir denken jedoch, daß es vielleicht für Euch interessant wäre, wenn wir ein wenig mehr von uns erzählen, damit Ihr Kölner neugierig werdet und vorbeikommt, um uns näher kennenzulernen. Und Anlässe für einen Besuch gibt es mehr als genug! Das klingt möglicherweise etwas eingebildet... Überzeugt Euch jedoch selbst. Es gibt etwas für jeden Geschmack. Zuerst aber ein paar Worte zur Vorgeschichte, wie es sich bei einer Vorstellung gehört... Vor 15 Jahren als Osteuropäisches Kulturzentrum entstanden, war IGNIS e.V. damals eine kulturelle Anlaufstelle für politische Emigranten und Oppositionelle aus Mittelosteuropa. Von ihnen selbst mit Hilfe von engagierten deutschen Freunden gegründet, hatte es von Anfang an zwei Hauptziele; zum einen: Die Kultur der eigenen Heimatländer zu pflegen und in Deutschland oder gar im Westen bekanntzumachen, zum anderen: allen Hilfe brauchenden aufgrund der eigenen Erfahrungen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sie also sozial, juristisch und psychologisch (neuerdings sogar medizinisch) in den jeweiligen Muttersprachen und auf Deutsch zu beraten und zu betreuen. |
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Eine Vorwegnahme des "Hauses Europa" im Zentrum von Köln? Etwas schon. Mit dem politischen Umbruch in Mittelosteuropa veränderte sich das Profil der Arbeit, und der neue Name besiegelte eine natürliche Entwicklung: Heute ist IGNIS das "Europäische Kulturzentrum IGNIS e.V. ", und die Projekte sind breiter angelegt, Schwerpunkte anders gesetzt. Wer finanziert es? Zum Teil der Bund, ein wenig die Stadt, ein bißchen das DRK, und das Haus selbst wird von einer Firma an den Verein kulanterweise zu relativ günstigen Konditionen vermietet. Wer arbeitet hier? |
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ABM-Kräfte und ehrenamtliche "Ignis-Infizierte", wie wir ab und zu genannt werden. Selbstverständlich hat der Verein auch finanzielle Sorgen und kein Geld für eine aufwendige Werbung, selbstverständlich sind hier Improvisationsgabe, Idealismus, Einfallsreichtum und Humor gefragt, selbstverständlich sind wir zwei- und mehrsprachig, um sofort zu dolmetschen, wenn es nötig ist. Es geht manchmal zu, wie beim wahrhaftigen Turmbau zu Babel. Und noch etwas: Wir haben kein Kölsch, sondern Budweiser. Der Wodka ist russisch, der Kuchen deutsch, der Wein - französisch, rumänisch, deutsch, der "Bigos" - polnisch, der Borschtsch - ukrainisch, die Atmosphäre - ungemein herzlich. |
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Eingangsbereich außen
vor und nach dem Umbau |
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Eingangsbereich innen
vor und nach dem Umbau |
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Veranstaltungsraum vor und nach dem Umbau |
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Architekten und Statiker, Bau- und Elektro-ingenieure, Kunstkonservatoren, zahlreiche Handwerker und Hilfskräfte - ca. 100 Menschen, Zuwanderer und Deutsche - haben tatkräftig und uneigennützig angepackt, um ihren künftigen gemeinsamen Treffpunkt umzubauen und zu restaurieren. Die dazu notwendigen Baumaterialien sowie die meisten Einrichtungsgegenstände wurden zum allergrößten Teil von Kölner Firmen großzügig gespendet. Und zum Schluß hat der Verein für das Gebäude den Denkmalschutz beantragt und den dann auch noch durchgesetzt. Sie ist schon wirklich einzigartig, diese unsere Begegnungsstätte: Ein Caféraum mit Stuck, Kamin, Vasen, Blumen und alten Kronleuchtern, eine kleine Bühne mit einem Flügel darauf, eine Bar, eine Küche, eine Holztreppe zur ersten Etage mit Kunstgalerieräumen; Wirtschaftsräume im Keller, Büroräume unterm Dach. "Mittler zwischen Ost und West unter Wahrung spezifischer nationaler Eigenschaften" steht in der Satzung als eine der wichtigsten Aufgaben des Vereins. Unser Veranstaltungsangebot umfaßt Kunstausstellungen, Konzerte, Filme in OF mit Untertiteln, Jamsessions, Dichterlesungen, Vorträge, Diskussionen, nationale Kulturabende, Kinderstunden in Muttersprache und vieles mehr. Und jetzt konkret einige Beispiele:
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Und wenn die Etats mal wieder gekürzt, keine ABMs bewilligt,
Kulturabende zu langweilig werden? " Wir müssen uns etwas einfallen lassen. Wir haben schon so viel überlebt. Ich habe da gerade einen Anruf bekommen, und der Anrufer bot uns an...". Das ist Lila. Liliana Andrzejewski, Geschäftsführerin mit kühnen Visionen, treibende Kraft, unverwüstlich. |
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"Russischer Abend?
Einen Augenblick, Marina Levchina telefoniert gerade." |
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"Die nächste Vernissage? Rufen Sie bitte Gunter Demnig an.
Er arbeitet heute in seinem Atelier." |
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"Ist der Text richtig formuliert?
Frag mal Waleria". Waleria Hahn, zuständig für Sprachen. |
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"Jemand fragt, ob die nächste Jamsession
trotz des Feiertages stattfindet. Wo ist Arek?" Arek Bleszynski, unser begnadeter Gitarrist ist gerade auf Tournee, aber zur Jamsession bestimmt schon wieder zurück. |
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"Wahlen in Bulgarien?
Ich verbinde Sie mit Ilona Lazarova, meiner Kollegin". |
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"Wen möchten Sie sprechen?
Saschaaaa, Sascha, jemand für dich". Sascha Silin, ausgebildeter Arzt mit langjähriger Erfahrung macht bei uns medizinische Beratung auf Russisch, kann aber auch für die Bühnenbeleuchtung einspringen. |
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"Kultur ist lebendig, wenn sie gemeinsam gelebt wird." Wer hat das bloß gesagt? Ach übrigens: IGNIS ist keine Abkürzung. Es ist lateinisch und bedeutet "Feuer" oder "Flamme" und ist für verschiedene Deutungen sehr gut geeignet. Nicht wahr?
Text von Waleria Radziejowska-Hahn
Köln im Mai 1999 |
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