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Saxophon singt samtig

VON MARIANNE KIERSPEL, 19.10.06, 07:49h

 

 

Bild: Krasniqi

Auftritt im Jazz-Café



 

Wolfgang Fuhr, Alexander Simonovski und Volker Heinze spielten Trio-Jazz.

Innenstadt - Sonntags wirkt das kleine Viertel an Rheinufer und Zoobrücke oft wie ausgestorben. Doch die Wüste lebt. Als Oase lockt die Villa Ignis mit verwunschenem Garten und gemütlichem Café ganze Familien mit Hund zum Jazznachmittag. Nach dem Konzert, bei der freien Jam-Session, bestimmen die Musiker selbst, wen sie auf die Bühne holen. „So machen wir das seit 20 Jahren“, sagt Lila Andrejewski, die das osteuropäische Kulturzentrum leitet. „Es ist erstaunlich, dass Köln so wenige gute Orte für Musiker hat. Wir sind schon fast bis Mitte 2007 ausgebucht.“

Den Raum lobt jetzt auch der Saxophonist Wolfgang Fuhr. Er spielt Trio-Jazz mit dem russischen Schlagzeuger Alexander Simonovski und dem Kölner Kontrabassisten Volker Heinze. Zuerst alte Klassiker von Cole Porter und Duke Ellington. Da lassen sie es konventionell angehen, swingend, mit weiten Improvisationen am Tenorsaxophon. Es singt samtig „In a sentimental mood“, mit großer Abschiedsgeste wie in einer Broadway-Show. Heiter tänzelt die Rhythmusgruppe „I hear a rhapsody“. Simonovski und Heinze, die fast schon zum Haus gehören, liefern sich da ein Duell der Spitzenklasse.

Riskanter für das Kölner Trio ist eine Bossa Nova, da liegt Brasilien ziemlich nah am Broadway. Dass in dieser Besetzung mit Saxophon, Bass und Drums ein für die Harmonien zuständiges Instrument wie Klavier oder Gitarre fehlt, weiß das Trio durchaus als Chance zu nutzen. Da kann Heinze sich auf solide Fundamentarbeiten konzentrieren, auch mal hartnäckige Bassfiguren wie in „Footprints“ auskosten. Auch der Drummer muss mehr als sonst verantworten. Das tut Simonovski. Mit Laune, dabei unaufdringlich fügt er feine Farbwerte ein. Und sein tollstes Drum-Solo widmet er Charlie Parkers „Scrapple from the Apple“.

Fuhr aber genießt die größeren Freiheiten für das Saxophon und improvisiert ausgedehnte Reisen, schließlich auch mit Stücken von Wayne Shorter und Bill Evans. Bravo. Längst ist das Café voll besetzt, bald ist der Pflaumenkuchen weggeputzt. Da beschließt das Trio sein Konzert etwas ruhiger, mit dem Liebeslied „It could happen to you“. Das Stichwort für vier Kollegen, die jetzt zur Jam-Session antreten.

 www.ignis.org